Gedichte von Georg Fox

Georg Fox, der saarländische Mundartdichter, Literat und ehemalige Grundschulleiter von Holz, hat diese beiden Gedichte dem Stolpersteinprojekt zur Verfügung gestellt. Eine liebe Geste, für die sich das Aktionsbündnis herzlich bedankt.

 

Denkmal

 

Mit Hammerschlägen

und mit scharfem Meißel

ganz tief im Eckstein

eines Hauses eingeritzt,

inzwischen aber leicht verwittert,

mit weißer Farbe

sachte übertüncht,

steh‘n ein paar Namen zur Erinnerung.

Von weitem fällt es nicht so auf,

erst recht nicht, wenn im Auto man

in schneller Fahrt vorüberrast.

 

Bleib stehen lies genau,

was hier vor Zeiten aufgeschrieben,

wenn die Vergänglichkeit

zu gern und schnell

so manches ausradieren möchte.

Ein Datum, ein paar Namen nur –

für uns so still und stumm

als Mahnung festgehalten

im Februar des Jahres

neunzehnhundertfünfundvierzig.

(Inschrift an einem Eckstein des ehem. Schwesternhauses in Köllerbach)

 

 

Uffem Droddwaar

 

Manscher schdolberd

iwwer Schdään,

ohne dse mergge,

wodraan mer

sisch schdubbd.

Graad nidd geguggd

wodriwwer mer laafd:

E Naame, e paar Daade,

gebòòr, gelääbd, geschdorb

unn hinnenòò uff der Schdròòs

dsem Schdolberschdään genn.

Wer wääs, ob mer

weenischdens jeddse

mò driwwer nòòdenggd:

„Bei de Naadsiis“

hädds sowas

nidd genn!

Das „Vergessen“ weggekratzt

SchülerInnen der Leonardo-da-Vinci-Gemeinschaftsschule putzten mit Landtagspräsident Stephan Toscani und Regionalverbandspräsident Peter Gillo die Stolpersteine für die NS-Opfer aus Riegelsberg.

Stolpersteineputzen_2019_Gedenkfeier_alle Akteure_2 (2)Zur diesjährigen Gedenkfeier anlässlich des 81. Jahrestages der Reichpogromnacht von 1938 kam hoher Buch zu Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule: Schulleiter Günter Engel und Geschichtslehrerin Dr. Christine Conrad (v.l.) begrüßten zusammen mit Volker Junge und Monika Jungfleisch vom Aktionsbündnis (v.r.) Landtagspräsident Stephan Toscani (3.v.r.), Regionalverbandsdirektor Peter Gillo (4.v.r.) Bürgermeister Klaus Häusle und Ortsvorsteher Heiko Walter.   Foto: Benjamin Schmidt

 

Von Monika Jungfleisch

„Hoher Besuch“ erfreute anlässlich der Stolpersteinputzaktion die Leonardo-da-Vinci-Gemeinschaftsschule und das Aktionsbündnis „Stolpersteine für Riegelsberg“. Der Präsident des saarländischen Landtags, Stephan Toscani, und der Direktor des Regionalverbands, Peter Gillo, besuchten in diesem Jahr die Gedenkfeier zur Erinnerung an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus in Riegelsberg, in deren Anschluss die Schülerinnen und Schüler die 13 verlegten Stolpersteine putzten.

Anlass ist alljährlich die sogenannte Reichspogromnacht, in der vom 9. auf den 10. November 1938 NS-Schlägertrupps im Deutschen Reich über 1.400 Synagogen, tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe zerstörten.

Stolpersteineputzen_2019_Gedenkfe ier_Schulleiter Engel begrüßtSchulleiter Günter Engel

 

Schulleiter Günter Engel und Monika Jungfleisch vom Aktionsbündnis zeigten sich überwältigt von dem hohen Zuspruch, den die gemeinschaftlich organisierte Gedenkfeier in diesem Jahr erfahren durfte. Neben Stephan Toskani und Peter Gillo, Bürgermeister Klaus Häusle und Ortsvorsteher Heiko Walter waren dieses Jahr auch viele Vertreter der Kommunalpolitik und aus der Bürgerschaft gekommen, die sicherlich – auch aus aktuellem Anlass – Flagge zeigen wollten gegen Hass und Ausgrenzung, gegen Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit. „Damit unterstreichen Sie, dass Sie unser Engagement für eine nachhaltige Aufarbeitung unserer Geschichte vor Ort würdigen“, so Engel.

Stolpersteineputzen_2019_Gedenkfe ier_Bürgermeister Klaus HäusleBürgermeister Klaus Häusle

Stolpersteineputzen_2019_Gedenkfeier_Ortsvorsteher Heiko WalterOrtsvorsteher Heiko Walter

„Ihr Interesse an unserer Arbeit gibt dem Aktionsbündnis und den Schülerinnen und Schülern das Gefühl, dass Sie ihren Beitrag für eine lebendige Erinnerungskultur wertschätzen“, sagte Bürgermeister Klaus Häusle. Ortsvorsteher Heiko Walter appellierte an die Jugendlichen, in ihrem Engagement nicht nachzulassen.

Monika Jungfleisch lenkte den Blick der Gäste auf die aktuelle politische Entwicklung, in der Juden auf den Straßen wieder angegriffen und sogar Anschläge auf Synagogen verübt werden. „Diesem Hass müssen wir uns entgegenstellen und unser friedliches Zusammenleben schützen durch ein respektvolles Miteinander. Euer Mitschüler Julian hat erzählt, dass sein Vater noch bei Erich Gross gearbeitet hat und sogar zwei der Platten an dem eisernen Tor in der Invalidenstraße angefertigt hat. Für ihn hat es keine Rolle gespielt, dass die Mutter von Erich Gross Jüdin war. Erich Gross hat er als verantwortungsvollen Arbeitgeber kennengelernt. Das ist ein Kriterium, nach denen wir Menschen beurteilen sollen, aber nicht nach ihrer Herkunft, Hautfarbe oder Religion.“

Stolpersteineputzen_2019_Gedenkfeier_Re gionalverbandspräsident Peter GilloRegionalverbandsdirektor Peter Gillo

Regionalverbandsdirektor Peter Gillo lobte speziell das Putzen der Stolpersteine durch die Schüler: „Ihr setzt Euch aktiv mit eurer Vergangenheit auseinander, indem Ihr im wörtlichen Sinne das Vergessen wegkratzt. Das schafft eine innere Berührung, die Euch im Gedächtnis bleibt.“

Stolpersteineputzen_2019_Gedenkfeier_L andtagspräsident Stephan Toscani_2Landtagspräsident Stephan Toscani

Landtagspräsident Stephan Toscani sagte: „Gerade vor dem Hintergrund aktueller Ereignisse sollte uns immer bewusst sein, wie wichtig das Erinnern für unsere Gegenwart, aber auch für unsere Zukunft ist. Das Erinnern mahnt uns auch, uns für unsere freiheitliche Gesellschaft, für Rechtsstaat und Menschenwürde einzusetzen. Demokratie und Rechtsstaat brauchen engagierte Bürger und eine aktive Jugend, die für sie eintreten.“

Stolpersteineputzen_2019_Gedenkfeier_Rebana Balzert liest TextRebana Balzert (10b)

Stolpersteineputzen_2019_Gedenkfeier_Charlotte Biehl liest Soldatengedicht_1Charlotte Biehl (9b)

Mit nachdenklich stimmenden Gedichten und Textvorträgen umrahmten Charlotte Biehl (9b) und Rebana Balzert (10b) die Gedenkfeier.

Bevor die Schülerinnen und Schüler der 9b mit Eimer, Politur und Schwämmchen zum Putzen der Stolpersteine aufbrachen, reichten sie den Gästen selbstgebackenes israelisches Gebäck, das sie mit der Geschichtslehrerin Dr. Christine Conrad am Tag davor gebacken hatten.

Stolpersteinputzen 2019_Schuler bieten israelisches Gebäck anMit selbstgebackenem israelischen Gebäck erfreuten die Schüler*innen die Gäste der Gedenkfeier.
v.l.: Alina Klein, Eliana Kryziu, Mariam Alwakeel, Julian Bauer, Geschichtslehrerin Dr. Christine Conrad.

Stolpersteineputzen_2019_Gedenkfeier_Volker, Peter, Stephan, Eliana Kryziu und KlausDa griffen Volker Junge, Peter Gillo, Stephan Toscani und Klaus Häusle (v.l.) gerne zu, als Eliana Kryziu das Gebäck rundreichte.

Vor Ort erinnerten die Schülerinnen und Schüler an die Schicksale der vier vertriebenen, ermordeten und auch beschützten Familien und stellten Kerzen für Familie Neumark in der Talstraße 16, für die Familie Salmon und Albert in der Kirchstraße 20 und für Familie Gross in der Invalidenstraße 1 auf.

Stolpersteiputzen_2019_Invalidenstraße_alleFoto: Alexander GrossStolpersteinputzen_Talstraße _mit Toscani_1Stolpersteinputzen_2019_Talstraße_alleFoto: Alexander GrossStolpersteinputzen_2019_Kirchstraße_alle_1Stolpersteinputzen_2019_Inva lidenstraße mit SchülernStolpersteinputzen_2019_ Kirchstraße_Schüler_2Stolpersteinputzen 2019_Talstraße_Mariam AlwakeelStolpersteinputzen 2019_Talstraße mit Peter Gillo, SR_Aexander Gross und Dominique PlüggeStolpersteinputzen_2019_LAndtagsprasident ganz andachtsvoll Foto Matthias SeelFoto: Matthias Seel

Emotionaler Geschichtsunterricht in packender Filmform

Zur Premiere des Dokumentarfilms „Stolpersteine für Riegesberg“ kamen über 130 Zuschauer in den Rathausfestsaal.

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Von Monika Jungfleisch

 „Das ging unter die Haut“, meinte Alice Eiden. „Ich bin tiefberührt und dankbar, dass ich dieses dunkle Kapitel unserer Vergangenheit noch einmal so prägnant zusammengefasst erfahren konnte“, sagte Dorothee Schirra. „Der Film hat einen sehr guten Akzent dazu gesetzt, die Erinnerung lebendig zu halten. Er war gut gegliedert und durch die Einzelschicksale lebensnah erfahrbar. Die musikalische Untermalung war sehr passend. Gefreut hat uns die rege Teilnahme der Bevölkerung“, betonten Hedi und Georg Fox.

Diese und ähnliche Reaktionen äußerten die rund 130 Zuschauer des Dokumentarfilms „Stolpersteine für Riegelsberg“, der vergangenen Donnerstag im Rathausfestsaal gezeigt wurde.

Die Riegelsberger Journalistin Monika Jungfleisch hatte zusammen mit dem saarländischen Filmemacher Daniel Weber die Schicksale der jüdischen Familien aus der Tal-, der Invaliden- und der Kirchstraße in der NS-Zeit in dem 30-minütigen Film skizziert und die vielfältigen Tätigkeiten des Aktionsbündnisses in Kooperation mit der Leonardo-da-Vinci-Gemeinschaftsschule seit Verlegung der ersten Gedenksteine geschildert.

Filmpremiere_5Monika Jungfleisch

Kontinuierliche Aufklärungsarbeit und nachhaltige Stärkung des Geschichts- und Demokratiebewusstseins

Bürgermeister Klaus Häusle und der Beigeordnete des Regionalverbandes Saarbrücken Norbert Degen dankten dem Aktionsbündnis „Stolpersteine für Riegelsberg“, das sich seit 2013 um die Aufarbeitung der NS-Geschichte vor Ort verdient macht. „Gerade durch die Einbindung der Schülerinnen und Schüler leistet das Aktionsbündnis einen wichtigen Beitrag für eine kontinuierliche Aufklärungsarbeit und nachhaltige Stärkung des Geschichts- und Demokratiebewusstsein“, so Klaus Häusle.

Filmpremiere_3Bürgermeister Klaus Häusle

„Mit dem Film ist es Monika Jungfleisch gelungen, emotionale Nähe zur Vergangenheit herzustellen, die tief im Gedächtnis verankert bleibt“, so Norbert Degen.

Filmpremiere_4Norbert Degen

Ilse Salmon – gleiches Schicksal wie Anne Frank

Vor allem das Schicksal von Ilse Salmon, die nach ihrer Flucht 1936 nach Frankreich 1944 ins Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert worden war, rief bei vielen Zuschauern die Tränen hervor. Hatte die 19-jährige Riegelsbergerin aus der Kirchstraße doch noch die Befreiung 1945 durch die Engländer erlebt, war aber wenige Tage später an den Folgen der Lagerhaft verstorben – wie Anne Frank.

Auch das Schicksal der Familie Gross bewegte viele Zuschauer. Anhand dieses Beispiels schilderte Monika Jungfleisch, dass Widerstand gegen das NS-Terrorregime möglich war. Die Aufarbeitung dieses Aspekts wurde möglich, so Monika Jungfleisch, weil sich gleich mehrere Zeitzeugen und deren Nachkommen bei ihr gemeldet und aus ihren Erinnerungen erzählt und wichtige Dokumente zur Verfügung gestellt hatten. Neben Norbert Krämer und Leo Hansen waren dies an erster Stelle Stefan Gross, der Enkel von Adele und Gottfried Gross, sowie Volker Klein, der Enkel des einstigen Riegelsberger Wehrführers Alois Klein. Letzterer hatte durch die Aufnahme von Erich und Paul Gross in die Feuerwehr deren Deportation verhindert.

Enkel von Adele Gross dankten allen „stillen und mutigen Bürgern“, die sich für ihre Grossmutter engagiert und gegen das Regime gestellt haben.

Für beide Enkel war die Aufführung des Filmes ein besonderes Ereignis, das sie stark aufwühlte. Stefan Gross dankte auch im Namen seiner Schwester Maria „allen stillen und mutigen Menschen, die es wagten,  sich unter höchster Gefahr gegen das Regime zu stellen. Dank ihrer Hilfe haben wir unsere Großmutter erleben dürfen. Über die schwierigen Zeiten konnte (oder wollte?) sie nicht reden.“

Filmpremiere_7Die Journalistin Monika Jungfleisch konnte dank der Mithilfe von Stefan Gross (r.) und Volker Klein (l.) das Kapitel über den Riegelsberger Widerstand in der NS-Zeit gut dokumentieren. Die  Enkel von Adele Gross und dem beschützenden Wehrführer Alois Klein waren von der Filmaufführung sehr berührt.

In ihrer Einstimmung auf den Film hatte die Riegelsberger Journalistin dieses mutige Verhalten vieler Riegelsberger als ein wichtiges Anliegen ihrer Arbeit bezeichnet. „All die Riegelsberger, die Adele und ihre Söhne Erich und Paul beschützt haben, all diese Menschen haben Verantwortung für ihre Mitmenschen übernommen, haben sich ihren Anstand bewahrt, haben sich nicht von Hass anstecken lassen und gezeigt, dass man sich wehren kann gegen Unmenschlichkeit.“ Ein Appell, den sie gerade an die nachkommende Generation richtete, denen sie Mut machte, auch aktiv gegen Ausgrenzung einzustehen. „Packt selbst mit an, so wie ihr es schon beim Stolpersteinputzen macht, sucht Euch Mitstreiter, dann kann ein friedliches Miteinander hier in Riegelsberg gelingen.“

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Mit „Standring Ovations“ endete für alle Akteure des Film der bewegende Abend. Den Interviewpartnern überreichten Monika Jungfleisch, Bürgermeister Klaus Häusle, Regionalverbandsbeigeordneter Norbert Degen und Schulleiter Günter Engel zum Dank weiße Rosen.

Filmpremiere_2 (2)Die Premiere des Dokumentarfilms „Stolpersteine für Riegelsberg“ füllt den Rathausfestsaal mit rund 130 Zuschauern. Ganz gespannt waren die Interviewpartner, die in der ersten Reihe saßen. 

Filmpremiere_1

Noch lange wurde beim anschließenden Umtrunk über Einzelheiten des Films gesprochen, und neue Mitstreiter für die Aufarbeitung der Lokalgeschichte haben sich auch beim Aktionsbündnis gemeldet, freute sich Volker Junge.

 

Fotos: Marie-Odile Junge

Schüler putzen Stolpersteine in Riegelsberg – Landtagspräsident nimmt teil

Die Gedenkfeier anlässlich der Reichspogromnacht und Putzaktion am 8. November startet um 8 Uhr im Foyer der Leonardo-da-Vinci-Gemeinschaftsschule.

Riegelsberg. Jedes Jahr um den 9. November putzen Schüler der Leonardo-da-Vinci-Gemeinschaftsschule gemeinsam mit dem Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg die 2015 verlegten 13 Gedenksteine für die jüdischen Opfer des nationalsozialistischen Terrorregimes in Riegelsberg. Anlass ist die sogenannte Reichspogromnacht, in der vom 9. auf den 10. November 1938 NS-Schlägertrupps im Deutschen Reich über 1.400 Synagogen, tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe zerstörten.

 

Ahmad Tirej, Geschichtslehrerin D r. Christine Conrad und Schulleiter Günter Engel putzten die Stolpersteine in der Talstraße 2018Schüler der Gemeinschaftsschule Riegelsberg werden am 8. November die Stolpersteine in der Talstraße 16 für Familie Neumark, in der Kirchstraße 20 für die Familien Salmon und Albert und in der Invalidenstraße 1 für Familie Gross wieder auf Hochglanz bringen. Zuvor findet in der Schule ab 8 Uhr eine Gedenkfeier statt.
Foto: M. Jungfleisch

 

Von Monika Jungfleisch

In diesem Jahr erfährt die Putzaktion eine besondere Aufwertung. Landtagspräsident Stephan Toscani wird der Veranstaltung beiwohnen und damit diesem nachhaltigen Erinnerungsprojekt des Aktionsbündnisses seine besondere Wertschätzung bezeugen.

Stephan Toscani hat nach seiner Wahl zum Parlamentspräsidenten ein Besuchsprogramm „Saarländische Erinnerungsorte“ mit Schülerinnen und Schülern gestartet. Der Landtagspräsident sieht dies als einen Teil seines Engagements für die Erinnerungskultur im Saarland.

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Landtagspräsident Stephan Toscani wird an der Gedenkfeier teilnehmen und sich mit einem Grußwort speziell an die Schülerinnen und Schüler wenden. 
Foto: Landtag

„Bei meinem Engagement ist es mir besonders wichtig, Schülerinnen und Schüler anzusprechen und gemeinsam mit ihnen die erhaltenen und neu geschaffenen Erinnerungsorte zu besuchen, die das vielfältige jüdische Leben im Saarland belegen. Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern entdecke ich, was in unserer Region zur Zeit der NS-Diktatur passiert ist. Es ist mir wichtig, den jungen Leuten bewusstzumachen, dass Unterdrückung, Unrecht und Mord eben nicht nur weit entfernt stattgefunden haben, sondern auch hier in unserer Heimat. Daher habe ich die Einladung des Aktionsbündnisses zu dieser alljährlichen Gedenkfeier sehr gerne angenommen.“, erläutert Landtagspräsident Stephan Toscani seine Beweggründe.

Auftakt der diesjährigen „Putzaktion“ am Freitag, 8. November, ist die Gedenkfeier im Foyer der Leonardo-da-Vinci-Gemeinschaftsschule ab 8 Uhr.

 

Programmablauf der Gedenkstunde:

Nach der musikalischen Einstimmung mit jüdischen Liedern werden Schulleiter Günter Engel, Bürgermeister Klaus Häusle, Ortsvorsteher Heiko Walter sowie Monika Jungfleisch vom Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg zu den Gästen sprechen. Landtagspräsident Stephan Toscani wird sich dann in einem Grußwort speziell an die Schüler wenden.

Gezeigt wird auch die Dauerausstellung der Gemeinschaftsschule zu den jüdischen Opfern des NS-Regimes in Riegelsberg.

Schüler der Klasse 9 werden jüdisches Gebäck, das sie mit Schulprojektbetreuerin Dr. Christine Conrad gebacken haben, als kleine Stärkung verteilen.

Danach beginnt der Rundgang zu den Stolpersteinen. Erste Station ist in der Talstraße 16. Weiter geht es dann zur Kirchstraße 20 und schließlich in die Invalidenstraße 1.

An den Steinen erinnern die Schüler an die Schicksale der jüdischen Mitbürger und stellen Kerzen auf, die das Licht der Seele der verstorbenen Menschen symbolisieren und damit ins Bewusstsein rufen, dass sie unvergessen sind.

Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind zu der Gedenkfeier und der anschließenden Putzaktion herzlich eingeladen.

Widerstand gegen NS-Regime war möglich

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Dokumentarfilm „Stolpersteine für Riegelsberg“ skizziert die Schicksale der jüdischen Familien und schildert die vielfältigen Tätigkeiten des Aktionsbündnisses in Kooperation mit der Leonardo-da-Vinci- Gemeinschaftsschule seit Verlegung der ersten 13 Gedenksteine im Jahr 2015.

Projekt Stolpersteine fur Ri egelsberg mit Schülern_2In dem Film über die Stolpersteine für Riegelsberg stehen die Schüler der Leonardo-da-Vinci-Gemeinschaftsschule im Mittelpunkt.

 

Von Monika Jungfleisch

2015 wurden die ersten Stolpersteine für die Opfer der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft in Riegelsberg verlegt. 13 Gedenksteine erinnern an die jüdische Familie Neumark aus der Talstraße, an Familie Groß aus der Invalidenstraße und an die Familien Salmon und Albert aus der Kirchstraße.

Die Grundlagen für die Verlegung der Stolpersteine legte die Riegelsberger Journalistin Monika Jungfleisch, die die Schicksale der jüdischen Familien recherchiert und das „Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg“ initiiert hat. Durch die Kooperation mit der Leonardo-da-Vinci-Gemeinschaftsschule ist es dem „Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg“ gelungen, eine nachhaltige Erinnerungskultur für die Gemeinde Riegelsberg anzustoßen.

Viel ist seit der Verlegung der Stolpersteine in Riegelsberg passiert. In einem rund 30-minütigen Dokumentarfilm zeichnen Monika Jungfleisch vom Aktionsbündnis und der saarländische Filmemacher Daniel Weber die Anfänge des Stolperstein-Projekts nach, skizzieren die Schicksale die jüdischen Familien in Riegelsberg und lassen Zeitzeugen zu Wort kommen. Im Mittelpunkt des Films steht die aktive Mitarbeit der Leonardo-da-Vinci-Gemeinschaftsschüler bei die Verlegung der Stolpersteine im April 2015 sowie ihre vielfältigen Aktivitäten beim alljährlichen Putzen der Stolpersteine jeweils zum Gedenken an die Reichspogromnacht.

Anhand des Schicksals der Familie Gross aus der Invalidenstraße macht der Film deutlich, dass Widerstand gegen das NS-Regime möglich war. Schließlich haben mutige Nachbarn die Jüdin Adele Gross und ihre beiden Söhne Erich und Paul vor der Gestapo versteckt.

Zu guter Letzt geht es um die Frage, warum das Erinnern an die Verbrechen der NS-Zeit auch heute noch wichtig ist, und welche bleibenden Eindrücke die Beschäftigung mit der Geschichte vor der eigenen Haustür bei Jugendlichen hinterlässt.

Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen zur Premiere des Films „Stolpersteine für Riegelsberg“ am Donnerstag, 07. November, 18 Uhr, im Rathausfestsaal in Riegelsberg. Eintritt frei. Im Anschluss lädt die Gemeinde Riegelsberg zum Gedankenaustausch und Umtrunk ein.

Hier finden Sie die Einladung im PDF-Format: Einladung Stolpersteine

Stolpersteinfilm-Interview mit Bürgermeister Häusle_1 (2)Interviewpartner wie Bürgermeister Klaus Häusle, 

Stolpersteinfilm-Interview mit S Chulleiter Günter Engel_1 (2)Schulleiter Günter Engel 

Stolpersteinfilm-Interview mit Lehrerin Dr. Christine COnrad_ (2)und Geschichtslehrerin Dr. Christine Conrad kommen im Film zu Wort.

Stolpersteinfilm-Interview Makse mit Fe uerwehrführer Volker Klein und MarieEbenso Feuerwehrführer Volker Klein, der für die Filmaufnahmen noch „in die Maske“ musste.

Copyright aller Fotos: Monika Jungfleisch

Keine Schuldzuweisung, sondern Appell an Verantwortungsbewußtsein

Gemeinschaftsschüler und „Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg“ gedenken der Reichspogromnacht und säubern Gedenksteine für Opfer des NS-Diktatur.

Von Monika Jungfleisch

Riegelsberg.Mit einem anrührenden Programm gestalteten die Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule und das „Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg“ anlässlich der Reichspogromnacht die alljährliche Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus in Riegelsberg.

Musiklehrer Bruno Rabung hatte mit den 5er- und 6er-Klassen jüdische Lieder eingeübt. Hierbei brilliere der elfjährige Syrer Ayend Atto, der seit zwei Jahren in Riegelsberg lebt,  mit einer Soloeinlage. Geschichtslehrerin Dr. Christine Conrad hatte mit der Klasse 9b Gewürzkuchen gebacken nach dem Rezept der ermordeten jüdischen Mitbürgerin Amanda Salmon aus der Kirchstraße. Und die Klasse 7b/c hatte eine Broschüre über das Judentum im Religionsunterricht erarbeitet und ausgelegt.

 

1_Die 5er und 6er Klassen der Gemeinscha ftsschule sangen jüdische Lieder.jpg.jpgDie 5er- und 6er-Klassen der Gemeinschaftsschule sangen unter der Leitung von Bruno Rabung jüdische Lieder. Fotos: M. Jungfleisch

2_Auch von der Empore sangen die 6er Klassen mit.jpgAuch von der Empore sangen die 6er Klassen mit.

3_Ein Lied auf Hebraisch_gesungen vo n der 6a_ ging besonders an Herz.jpgEin Lied auf hebräisch, gesungen von der 6er Klasse, ging besonders an Herz.

4_ Der Elfjährige Syrer_Ayend Atto.jpg.jpg
Der elfjährige Syrer Ayend Atto, der seit zwei Jahren in Riegelsberg lebt, brillierte mit einer Soloeinlage.

5_Kuchenbacken machen den Schülerinnen Spaß.jpg.jpgDas Kuchenbacken nach dem Rezept von Amanda Salmon schuf Nähe zur ermordeten jüdischen Mitbürgerin. Foto: Dr. Christine Conrad

6_Bevor die Schuler zum Putzen aufbrache n, stärkten sie sich mit Gewürzkuchen.jpgZur Gedenkfeier verteilt die Klasse 9b mit ihrer Lehrerin Dr. Christine Conrad den Kuchen an die Gäste.

 

7_Schulleiter Günter Engel.jpgSchulleiter Günter Engels sagte: „Unsere Schule putzt gemeinsam mit dem Aktionsbündnis jedes Jahr die Stolpersteine für die Opfer des NS-Zeit. Damit setzen wir einen wichtigen Akzent gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus.“

8_Bürgermeister Klaus Häusle.jpgBürgermeister Klaus Häusle wies auf die zunehmende Spaltung der Gesellschaft hin und mahnte, wachsam gegenüber Intoleranz zu sein.

9_Ortsvorsteher Heiko Walter.jpgOrtsvorsteher Heiko Walter ermutigte die Schüler, gegen Hass und Mißgunst Widerstand zu leisten und stets respektvoll miteinander umzugehen.

9b_Bruno Rabung lobte besonder s seine syrischen Schüler, die sich sehr ergriffen zeigten von den semitischen Melodien..jpgMusiklehrer Bruno Rabung richtete sich in einer sehr anrührenden Erklärung direkt an seine Schüler: „Es hat mich sehr ergriffen zu sehen, wie selbstverständlich gerade die arabischstämmigen Schüler die jüdischen Lieder mitgesungen haben. Die Musik hat unsere Kinder aus den unterschiedlichen Nationen zusammengeführt.“

10_Gedenkfeier zur Reichspogromnacht 2018.jpgDie Riegelsberger Stolperstein-Initiatorin Monika Jungfleisch rief die Geschehnisse der Reichspogromnacht in Erinnerung. Foto: Benny Schmidt

 

Die Journalistin Monika Jungfleisch, die mit dem „Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg“ die aktive Erinnerungsarbeit in Riegelsberg vor rund fünf Jahren angestoßen hat, stellte den Bezug der historischen Ereignisse von vor 80 Jahren mit der Gegenwart her. „Damals brüllten nicht nur im fernen Berlin aufgehetzte Menschen ‚Juden raus‘. Auch in Riegelsberg klopften Nazis aus der Nachbarschaft nachts an der Haustür von Gottfried und Adele Gross in der Invalidenstraße. Mit ihrem hasserfüllten Geschrei und den brennenden Fackeln versetzten sie die Familie mit ihren Söhnen Erich und Paul in Angst und Schrecken. Heute werden wieder Juden auf offener Straße mit Hosengürteln geschlagen, werden Menschen mit dunkler Hautfarbe durch Straßen gehetzt. Damals nutzen die Nazis gerne verharmlosende Worte für ihre Taten. Sie sprachen von ‚Reichskristallnacht‘. Damit wollten sie von ihrer Brutalität und von dem zerstörerischen Ausmaß ihres Handelns ablenken. Denn in der Reichspogromnacht gingen nicht nur ein paar Schaufensterscheiben zu Bruch. Nein: Bis zu 1.500 Juden wurden in den vier Tage andauernden Ausschreitungen ermordert, 1.400 Synagogen angezündet, tausende Geschäfte und jüdische Friedhöfe verwüstet sowie rund 30.000 Juden in Konzentrationslager verfrachtet. Auch heute wird wieder mit Worten versucht, die wahren ausgrenzenden, menschenverachtenden Hintergedanken zu verschleiern. Aber können z.B. 6 Mio. ermordete Juden und 70 Mio. Kriegstote wirklich nur ein ,Vogelschiß‘ sein? Deshalb ist es wichtig, dass wir an die schrecklichen Ereignisse in der NS-Zeit erinnern.“

Mit Blick auf die aktuelle Diskussion, dass es auch irgendwann mal gut sei mit der deutschen Erinnerungsrührseligkeit, sagte Monika Jungfleisch an die Schüler gerichtet: „Ihr alle habt keine Schuld an den Verbrechen der NS-Zeit. Bei der deutschen Erinnerungskultur geht es auch nicht um Schuldzuweisungen, sondern darum, dass jeder einzelne Verantwortung dafür trägt, dass sich diese Ereignisse nicht wiederholen und dass eine Aussöhnung stattfinden kann. Als Lehre aus unserer Geschichte haben wir den Schutz der Menschenwürde unserem Grundgesetz vorangestellt. Darauf können wir Deutschen mit Recht stolz sein.“

Nach diesen mahnenden Worten verteilten die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9b den Gewürzkuchen, den sie nach dem Rezept von Amanda Salmon gebacken hatten, an die Gäste.

10a_Auch interessierte Burge rinnen und Bürger kamen zu Gedenkfeier an die Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule.jpgAuch interessierte Bürgerinnen und Bürger kamen zu Gedenkfeier an die Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule. Foto: Justin Langer

 

Anschließend brachen sie mit Putzeimer, Politur und Schwämmchen zum Putzen der Stolpersteine auf, wobei sie vor Ort auch die Schicksale der vier vertriebenen, ermordeten und auch beschützten Familien kurz referierten. Zusätzlich stellten sie Kerzen für Familie Neumark in der Talstraße 16, für die Familie Salmon und Albert in der Kirchstraße 20 und für Familie Gross in der Invalidenstraße 1 auf.

11_Ahmad Tirej, Geschichtslehrerein Dr. Chrstine Conrad und Schulleiter Günter Engel in der Talstraße.jpgAhmad Tirej, Lehrerin Dr. Chistine Conrad und Schulleiter Günter Engel putzen die Stolpersteine in der Talstraße. Fotos: M.Jungfleisch

12_Justin Langer, Emilio Calco und Sebastian Mathis (v.l.).jpgJustin Langer, Emilio Calco und Sebastian Mathis (v.l.) stellen Kerzen an die frisch polierten Stolpersteine für Familie Neumark.

14_In der Kirchstr putzten Sophia Wagner und C DU-Bürgermeisterkandidat Benny Schmidt.jpg.jpgIn der Kirchstraße putzen Sophia Wagner und CDU-Bürgermeisterkandidat Benny Schmidt die Stolpersteine für Familie Salmon und Albert.

15_Auch in der Kirchstrase erstra hlen die Stolpersteine wieder..jpgDanach strahlen die Stolpersteine in der Kirchstraße 20 wieder wie neu.

16_Paul Wolff und Dilhan Harmandali bringen die St olpersteine in der Invalidenstraße zum Glänzen..jpgPaul Wolff (r.) und Dilhan Harmandali bringen die Stolpersteine in der Invalidenstraße1  zum Glänzen.

 

In der Reichspogromnacht marschierte vor 80 Jahren eine kleine Gruppe NS-Schergen mit Fackeln in die Invalidenstraße vor das Haus der Familie Gross. Heute erinnern Stolpersteine daran, dass diese jüdischen Mitbürger von Nachbarn und Freunden beschützt wurden und Widerstand gegen die Nazis möglich war. Die Klasse 9b der Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule, das „Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg“ und interessierte Bürgerinnen und Bürger erinnerten am 9. November an die Geschehnisse in der Invalidenstraße vor 80 Jahren.

17_Die Klasse 9b der Leonardo-Da-Vinci-Geme inschaftsschule in der Invailidenstraße.jpgFoto: Dilhan Harmandali

Gedenkfeier und „Putzaktion“ am 9.11.2018

Liebe Mitstreiter im Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg,

jedes Jahr um den 9. November putzen wir mit Schülern der Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule die 2015 verlegten Gedenksteine für die jüdischen Opfer des verbrecherischen nationalsozialistischen Regimes in Riegelsberg. Anlass ist die sogenannte Reichspogromnacht, die sich in diesem Jahr zum 80. Mal jährt.

Damals, in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 fanden im Deutschen Reich die ersten groß angelegten Ausschreitungen von Schlägertrupps des NS-Regimes gegen die jüdischen Mitbürger statt. Die Ausschreitungen dauerten rund vier Tage. Insgesamt wurden etwa 400 Menschen ermordet oder in den Selbstmord getrieben. Über 1.400 Synagogen, tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört.

Auftakt der diesjährigen „Putzaktion“ am Freitag, 9. November, ist eine Gedenkfeier im Foyer der Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule ab 8 Uhr.

Programmablauf der Gedenkstunde:

Nach der musikalischen Einstimmung mit jüdischen Liedern, vortragen von Siebtklässlern unter der Leitung von Musiklehrer Bruno Rabung, werden Schulleiter Günter Engel, Bürgermeister Klaus Häusle, Ortsvorsteher Heiko Walter sowie Volker Junge und Monika Jungfleisch vom Aktionsbündnisses Stolpersteine für Riegelsberg zu den Gästen sprechen.

Gezeigt wird auch die Dauerausstellung der Gemeinschaftsschule zu den jüdischen Opfern des NS-Regimes in Riegelsberg sowie die Übersichtstafel zur Ausstellung „Reichspogromnacht – Was geschah am 9. November 1938?“ vom Adolf-Bender-Zentrum.

Schüler der Klasse 9b werden den Gewürzkuchen nach dem Rezept der ermordeten Riegelsberger Jüdin Amanda Salomon, den sie mit Schulprojektbetreuerin Dr. Christine Conrad gebacken haben, als kleine Stärkung verteilen.

Rundgang zu den Stolpersteinen startet in der Talstraße

Danach beginnt der Rundgang zu den Stolpersteinen. Erste Station ist in der Talstraße 16. Weiter geht es dann zur Kirchstraße 20 und schließlich in die Invalidenstraße 1.

An den Steinen erinnern die Schüler an die Schicksale der jüdischen Mitbürger und stellen Kerzen auf, die das Licht der Seele der verstorbenen Menschen symbolisieren damit ins Bewußtsein rufen, dass sie unvergessen sind.

Ihr Alle seid zu der Gedenkfeier und der anschließenden Putzaktion herzlich eingeladen.

Am Nachmittag nehmen Vertreter des Aktionsbündnisses Stolpersteine für Riegelsberg als eine der 22 Mitgliedsorganisationen der „Landesarbeitsgemeinschaft Erinnerungsarbeit“ auch am gemeinsam mit der Synagogengemeinde Saar und der Landeshauptstadt Saarbrücken organisierten Gedenkmarsch zur Reichspogromnacht teil. Dieser Marsch beginnt am 9. November um 13.30 Uhr vor dem Hauptbahnhof und zeichnet den Weg nach, den die Saarbrücker Juden in der Pogromnacht gehen mussten. Auch hierzu freuen wir uns über jeden, der gemeinsam mit uns mitmarschiert.

Geputzt, poliert und erinnert

Gemeinschaftsschüler und „Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg“ säubern Gedenksteine für Opfer des NS-Diktatur und stellen Kerzen auf.

 

Riegelsberg. Anlässlich des Jahrestages der Reichspogromnacht haben auch in diesem Jahr Schüler der Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule zusammen mit dem „Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg“ die Gedenksteine für die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur in Riegelsberg geputzt.

Ihren Rundgang zu den Stolpersteinen begangen die Schüler in der Talstraße 16.

 

In diesem Jahr war die Klasse 9 c mit ihrer Lehrerin Kira Nickels an der Reihe. Bevor sich die Schüler mit Putzeimer, Politur und Putzschwämmchen auf den Weg machten, lobte Schulleiter Günter Engel und Bürgermeister Klaus Häusle das Engagement der Schüler.

Schulleiter Günter Engel lobte die Schüler, dass sie sich aktiv mit der Vergangenheit ihrer Vorfahren auseinandersetzen.

 

Garanten für die aktive Erinnerungsarbeit

„Schon das dritte Jahr beteiligt sich unsere Schule an der Putzaktion, mit der wir die schrecklichen Ereignisse von 1938 in Erinnerung rufen und uns aktiv mit der Vergangenheit unserer Vorfahren auseinandersetzen,“ sagte Günter Engel.

Bürgermeister Klaus Häusle sagte den Schülern: „Ihr seid die Garanten für die aktive Erinnerungsarbeit in unserem Ort.“

 

„Ihr seid die Garanten für die aktive Erinnerungsarbeit in unserem Ort, die das ‚Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg‘ vor rund vier Jahren angestoßen hat“, sagte der Rathauschef. „Durch die Zusammenarbeit mit der Schule ist es dem Aktionsbündnis gelungen, dauerhaft und nachhaltig den nachkommenden Generation Geschichte vor Ort ins Bewusstsein zu rufen und eine Kultur des Erinnerns in unserer Gemeinde zu begründen.“

Judenhass auch in Riegelsberg

Die Journalistin Monika Jungfleisch, Initiatorin des Aktionsbündnisses, machten den Schülern bewusst, dass der Rassenwahn der Nazis nicht nur in fernen Großstädten zu Tage trat. „In der Reichspogromnacht brannte auch in Saarbrücken die Synagoge. Und in Riegelsberg klopften Nazis aus der Nachbarschaft nachts an der Haustür von Gottfried und Adele Gross in der Invalidenstraße und brüllten ‚Juden raus‘. Hinter dieser Tür kauerten Schlossermeister Gottfried Gross und seine jüdische Frau Adele mit ihren beiden Kindern Erich (13 Jahre) und Paul (11 Jahre). Sie hatten Todesangst.“

Monika Jungfleisch vom „Aktionsbündnisses Stolpersteine für Riegelsberg“ erinnerte an die Gräueltaten der Nazis während der Reichspogromnacht und blickte auf 25 Jahre Stolpersteine – ein Kunst- und Bürgerprojekt – zurück.

 

Auf einmal war Geschichte nicht nur etwas, was vor langer Zeit irgendwo stattgefunden hat. Diese lebendige Beschreibung der Ereignisse der Reichspogromnacht in Riegelsberg elektrisierte die Jugendlichen. Manchem der Schüler, der selbst Flucht und Vertreibung erlebt hatte, schossen Tränen in die Augen. „War das echt so bei uns hier in Ort“?, wollten sie wissen. „Das hätten wir nicht für möglich gehalten.“

Tröstlich fanden die Schüler, dass es auch mutige Männer und Frauen in Riegelsberg gegeben hat, die sich diesem Hass entgegenstellten, Adele Gross und ihre Söhne beschützten und damit ein Beispiel aktiven Widerstandes gaben.

Auch heute immer noch Fremdenhass, Rassenwahn und nationale Überheblichkeit

Die im Raum stehende Frage, warum auch 79 Jahre nach der Reichspogromnacht, immer noch an die Verbrechen von damals erinnert werden muss, beantwortete Monika Jungfleisch mit klaren Worten: „Es hat in Riegelsberg über 70 Jahre gedauert hat, bis wir die ersten Opfer namentlich erwähnt, ihnen ein Gesicht gegeben, ihr Schicksal erzählt und ihnen mit den Stolpersteinen einen Gedenkort mitten unter uns gegeben haben. Und weil es auch 79 Jahre nach der Reichspogromnacht immer noch Fremdenhass, Rassenwahn und nationale Überheblichkeit gibt, die die Herzen der Menschen zerfressen. Deshalb erinnern wir an die Opfer solcher fehlgeleiteter Gedanken und Gefühle.“

Sina Presser aus der 9c trug das Soldatengedicht von Hans Retep vor.

Musiklehrer Bruno Rabung und die Klasse 7a umrahmten die Gedenkfeier musikalisch.

 

Teil eines europaweiten Kunst-und Bürgerprojektes

Um den Schülern deutlich zu machen, dass sie mit ihrem Engagement Teil eines europaweiten Kunst-und Bürgerprojektes sind, ließ die Journalistin die 25-jährige Geschichte der Stolpersteine Revue passieren. „Aus dem ersten Stolperstein, der am 16. Dezember 1992 vor dem Kölner Rathaus verlegt wurde, sind mittlerweile rund 61.000 Stolpersteine in 21 Ländern Europas geworden. Sie wuchsen zu einem der bedeutendsten Gedenkprojekte Europas zusammen. Und die Gemeinde Riegelsberg, Eure Schule und Ihr nun ganz persönlich seid ein Teil dieser ‚Volksbewegung des Erinnerns‘. Die Erinnerungskultur Eurer Heimat wird durch Eurer bürgerschaftliches Engagement geprägt.“

Nach der Gedenkfeier im Foyer der Gemeinschaftsschule im Beisein von Bürgermeister Klaus Häusle (3.v.r.), Ortsvorsteher Heiko Walter (2.v.l.), Schulleiter Günter Engel (2.v.r.), Monika Jungfleisch (m.) vom Aktionsbündnis Stolpersteine, Hans-Jürgen Marowsky vom Bündnis 90/die Grünen (r.) und den Lehrerinnen Dr. Christine Conrad (3.v.l.) und Kira Nickels (r.) starteten die Schüler der 9c zu der Putzaktion 2017 an den Stolpersteinen.

Kirill Starikov, Davids Trufanda, Aiko Bleisinger, Jessica Dahl und Mouaead Al Khateb (v.l.) putzten und polierten eifrig. Daniel Frauendorfer trug zuvor das Schicksal der Familie Neumark vor.

 

Mit so viel Lob und Ermutigung starteten die Schüler zusammen mit ihrer Lehrerin Kira Nickels, Schulprojektleiterin Dr. Christine Conrad, Schulleiter Günter Engel, Bürgermeister Klaus Häusle, Ortsvorsteher Heiko Walter, Hans-Jürgen Marowsky von der Fraktion „Bündnis 90/Die Grünen“ und Vertretern des Aktionsbündnisses ihre Putzaktion. In der Talstraße polierten sie die Gedenksteine für die Familie Neumark, in der Kirch- und Invalidenstraße die Stolpersteine für die Familien Salmon und Albert sowie Gross. Zusätzlich trugen sie die Schicksale der jüdischen Mitbürger vor und entzündeten Kerzen als Symbol dafür, dass das Licht der Seele des verstorbenen Menschen immer noch leuchtet, und dass er unvergessen ist.

Nach dem Putzen der Stolpersteine stellten Schüler der 9c auch Kerzen auf. 

 

Verfasst von Monika Jungfleisch (Journalistin)

Fotos: Monika Jungfleisch

Rede von Monika Jungfleisch anlässlich des 9. November

Liebe Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich grüße Sie alle herzlich im Namen des „Aktionsbündnisses Stolpersteine für Riegelsberg“ und danke allen, die sich wieder an der Gedenkfeier für die Opfer der NS-Zeit in Riegelsberg beteiligen.

Ganz besonders begrüße ich die Schüler der 9 c mit ihrer Klassenlehrerin Kira Nickels und Frau Dr. Christine Conrad, die das Stolperstein-Schulprojekt seit rund vier Jahren an Eurer Schule mitbetreut.

Ihr Schüler seid heute die Hauptpersonen unserer Gedenkfeier. Ihr habt Euch bereit erklärt, die Stolpersteine in diesem Jahr zu putzen und damit die Erinnerung an diese schlimme Zeit in unserer Gemeinde ins Bewusstsein zu rufen. Zugleich macht Ihr darauf aufmerksam, dass wir in Riegelsberg aus der Vergangenheit lernen wollen, nie mehr Menschen zu verachten, zu verfolgen oder gar zu ermorden.

Heute, vor genau 79 Jahren, haben die Nazis in der Reichspogromnacht eine neue Dimension ihrer Judenverfolgung eingeläutet. Bisher hatten die Nazis die Juden nur durch diskriminierende Gesetze vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Juden durften den deutschen Wald nicht mehr betreten, durften nicht mehr auf Parkbänken sitzen oder bestimmten Berufen nachgehen. Nun aber gingen sie gewaltsam gegen sie vor. Ab dem 9. November 1938 wurden Juden systematisch im ganzen Deutschen Reich verfolgt. Knapp drei Jahre später mündete das in den Holocaust. Ihr wisst, dabei wurden rund 6 Mio. Juden fabrikmäßig ermordet. Aber auch sowjetische Kriegsgefangene, sogenannte Zigeuner, geistig behinderte Menschen, Homosexuelle, Künstler, Schriftsteller und politisch Andersdenkende wurden von den Nazis verfolgt und ermordet.

An dieses unvorstellbare, unmenschliche Handeln erinnert Ihr heute mit dem Putzen der Stolpersteine. Denn nicht nur in Berlin, Frankfurt oder München wurden Juden nachts aus dem Bett gezerrt und auf der Straße zusammengetrieben, bespuckt, getreten, geschlagen.

Nicht nur in Saarbrücken wurden die Schaufensterscheiben zertrümmert, die jüdischen Geschäfte geplündert und die Synagoge in der Futterstraße angezündet.

Auch in Riegelsberg klopften nachts an der Haustür von Gottfried und Adele Gross in der Invalidenstraße Nazis aus der Nachbarschaft und brüllten „Juden raus“. Hinter dieser Tür, die Ihr Euch nachher genau ansehen könnt, kauerten Schlossermeister Gottfried Gross und seine jüdische Frau Adele mit ihren beiden Kindern Erich (13 Jahre) und Paul (11 Jahre). Sie hatten Todesangst. Draußen vor der Tür schrien ihre Nachbarn ihren Judenhass heraus. Nachbarn, die sie am Tag davor noch gegrüßt hatten, mit denen sie über den Gartenzaun ein Schwätzchen gehalten hatten oder die im Geschäft von Adele und ihren Schwestern in der Kirchstraße eingekauft hatten.

Nun waren sie aufgehetzt, verblendet vom Hass gegen alles Jüdische. Dieser irrige Rassenwahn hatte ihre Sinne und ihre Herzen zerfressen.

Gottlob gab es in Riegelsberg auch mutige Männer und Frauen, die sich diesem Hass entgegenstellten.

Ihr wisst, Adele und ihre beiden Jungs wurden versteckt und gerettet. Ihre Verwandten hingegen, die Familien von Adeles Schwestern Amanda und Leonie, wurden bis auf einen ermordet.

Damit ihr Euch vorstellen könnt, wie gewaltig diese Novemberpogrome waren, ein paar Zahlen: vom 7. bis 13. November 1938 wurden etwa 400 Menschen ermordet oder in den Selbstmord getrieben. Über 1.400 Synagogen, tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört.

Das alles ist jetzt 79 Jahre her. Warum machen wir heute immer noch so ein Aufhebens um damals? Ist es nicht endlich mal Zeit, die alten Geschichten ruhen zu lassen?

Meine Antwort darauf lautet: Nein, denn die Greueltaten der Nazis waren zu erschreckend. Meine eigenen Eltern konnten und wollten jahrelang darüber nicht reden. Sie verdrängten diese Zeit. Vielleicht erging es Euren Großeltern genau so.

In Riegelsberg hat es über 70 Jahre gedauert, bis wir die ersten Opfer namentlich erwähnt, ihnen ein Gesicht gegeben und ihr Schicksal erzählt haben. Und mit den Stolpersteinen ihnen einen Gedenkort mitten unter uns gegeben haben.

Ein weitere Grund, warum wir uns erinnern sollten: Weil es auch 79 Jahre nach der Reichspogromnacht immer noch Menschen gibt, die glauben, dass die einen besser und wertvoller sind, als die anderen. Deshalb ist es wichtig, uns daran zu erinnern, wohin Fremdenhass, Rassenwahn und nationale Überheblichkeit führen können.

Ganz konkret meine ich damit: Vor 79 Jahren riefen die Nazis „Juden raus“, heute hört man öfters „Ausländer raus“. Bei den Nazis folgten auf die Worte schlimme Taten, sie zündeten Synagogen an, heute brennen bei uns Flüchtlingsheime. In diesem Jahr waren es schon über 260 Anschläge verteilt in der Bundesrepublik. Die Nazis bauten Konzentrationslager und vergasten dort Juden, politisch Andersdenkende, Behinderte, Homosexuelle. Heute reden wir über Auffanglager für Kriegs- und Hungerflüchtlinge vor den Toren Europas und der Nationalsozialistische Untergrund tötete in den vergangenen Jahren zehn meist türkischstämmige Mitbürger.

Ihr seht, was auf böse Worte folgen kann: böse Taten. Gestern wie heute. Deshalb erinnern wir an die Opfer solcher fehlgeleiteter Gedanken und Gefühle.

Übrigens: In diesem Jahr feiern die Stolpersteine ihr 25-jähriges Jubiläum und der Künstler seinen 70. Geburtstag. Der erste Stolperstein wurde vor 25 Jahren in Köln verlegt, am 16. Dezember 1992 vor dem Rathaus. Genau dort, wo sich Brautpaare zum Foto aufstellen, ersetzte der Künstler Gunter Demnig einen Pflasterstein durch einen Stolperstein. Anlass war der 50. Jahrestag eines Erlasses, dass alle Zigeuner in das KZ Auschwitz-Birkenau zu bringen seien. (Auf dem Stein ist ein Auszug aus diesem Erlass in Metall eingeschlagen und in dem Stein ist eine Abschrift des Erlasses in einem Hohlkörper eingearbeitet.)

Dieser erste Stolperstein erregte die Gemüter. Er war nämlich ohne Genehmigung verlegt und der damalige Oberstadtdirektor bestand darauf, dass er wieder auf Kosten des Künstlers entfernt wird. Damals setzten sich viele Kölner Bürger, Künstler und Journalisten für Gunter Demnig und seine Idee dieses kleinen Mahnmals ein. Der Stein durfte letztendlich bleiben. Aus diesem ersten Stolperstein für die verfolgten Sinti und Roma wurde im Laufe der Jahre ein Kunstprojekt, ein KunstDenkmal, und letztendlich eine Bürgerbewegung, sozusagen eine „Volksbewegung des Erinnerns“ an die Verfolgten und ermorderten der Nazi-Zeit.

Mittlerweile hat sich die Größe und die Beschriftung der Stolpersteine verändert. Gleichgeblieben ist aber die Idee, dass dieses Projekt von Bürgern getragen wird. Sie initiieren die Verlegung der Stolpersteine in ihrer Gemeinde. Sie setzen es häufig gegen Widerstände durch. Sie organisieren die Veranstaltungen im Umfeld der Verlegungen. Sie sorgen für die Finanzierung und eine größtmögliche Nachhaltigkeit, in dem sie z.B., wie hier in Riegelsberg, eine Schule einbinden. Damit bei denjenigen, die überhaupt keine Erinnerung an die NS-Zeit haben, ein Bewußtsein erwacht: Ihr seid diejenigen, die dafür Sorge tragen, dass sich dieser Irrweg des übersteigerten Nationalbewußtseins, der Ausgrenzung anderer und gar ihre Verfolgung und Vernichtung nicht wiederholt.

Mittlerweile sind über 61.000 Steine in 21 Ländern Europas verlegt. Sie wuchsen zu einem der bedeutendsten Gedenkprojekte Europas zusammen. Und die Gemeinde Riegelsberg, Eure Schule und Ihr nun ganz persönlich seid ein Teil dieses europaweiten Kunst-und Bürgerprojektes. Die Erinnerungskultur Eurer Heimat wird durch Euer bürgerschaftliches Engagement geprägt.

Darauf könnt Ihr stolz sein. Nun könnt Ihr mit viel Elan die Stolpersteine putzen.

Schüler putzen Stolpersteine in Riegelsberg

Erinnerung an Opfer der Nazi-Diktatur wachhalten.

Putzaktion am 9. November startet um 8.30 Uhr im Foyer der Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule.

 

Riegelsberg. Einmal im Jahr, zum Jahrestag der sogenannten Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938, rücken Schüler der Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule mit Putzeimer, Poliertuch und Schwämmchen in der Tal-, Kirch- und Invalidenstraße an, um die Stolpersteine für die Opfer der Nazi-Diktatur zu reinigen. Diese Gedenksteine in den Bürgersteigen erinnern an die jüdischen Mitbürger, die bis zu Hitlers Machtergreifung friedlich in Riegelsberg lebten und nach 1933 von Mitbürgern gedemütigt, verfolgt, außer Landes gedrängt, deportiert, in Konzentrationslager gesteckt und schließlich ermordet wurden. Andere wurden aber auch beschützt und versteckt.

Vortrag über „25 Jahre Stolpersteine in Deutschland – der Beginn einer Bürgerbewegung für ganz Europa“

Auch in diesem Jahr werden Schüler der Klasse 9c mit ihrer Lehrerin Kira Nickels, Schulleiter Günter Engel, Schulprojektbetreuerin Dr. Christine Conrad, Bürgermeister Klaus Häusle, Ortsvorsteher Heiko Walter und Vertretern des „Aktionsbündnisses Stolpersteine für Riegelsberg“ am kommenden Donnerstag, 9.November, unterwegs sein.

Die Putzaktion beginnt um 8.30 Uhr im Foyer der Gemeinschaftsschule. Monika Jungfleisch, die Initiatorin des „Aktionsbündnisses Stolpersteine für Riegelsberg“, wird mit einem Kurzvortrag zum Thema „25 Jahre Stolpersteine in Deutschland – der Beginn einer Bürgerbewegung für ganz Europa“ auf die Putzaktion einstimmen. Die Schule sorgt für die musikalische Umrahmung. Bürgermeister Klaus Häusle wird ebenfalls zu den Schülern sprechen. „Gegen 9 Uhr starten wir mit der Klasse 9c unseren Rundgang zu den Steinen. Wir beginnen in der Talstraße und gehen dann weiter zur Kirchstraße und schließlich in die Invalidenstraße“, erklärt der Sprecher des Aktionsbündnisses Volker Junge.

Schüler zünden Kerzen an den Stolpersteinen an

An den Steinen werden die Schüler an die Schicksale der jüdischen Mitbürger erinnern und Kerzen aufstellen. „Mit diesem Ritual aus unserer christlich-jüdischen Tradition symbolisieren wir, dass das Licht der Seele des verstorbenen Menschen immer noch leuchtet, und dass er unvergessen ist“, erklärt Monika Jungfleisch. „Die Idee, zusätzlich zum Putzen der Stolpersteine auch Kerzen anzuzünden, kam von der Völklinger Stolperstein-Initiative, der wir uns gerne anschließen. Hoffentlich leuchten in vielen saarländischen Städten an den Stolpersteinen in diesem Jahr Kerzen.“

Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind zu dem Kurzvortrag und der Putzaktion  herzlich eingeladen.

Verfasst von Monika Jungfleisch (Journalistin)