Keine Schuldzuweisung, sondern Appell an Verantwortungsbewußtsein

Gemeinschaftsschüler und „Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg“ gedenken der Reichspogromnacht und säubern Gedenksteine für Opfer des NS-Diktatur.

Von Monika Jungfleisch

Riegelsberg.Mit einem anrührenden Programm gestalteten die Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule und das „Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg“ anlässlich der Reichspogromnacht die alljährliche Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus in Riegelsberg.

Musiklehrer Bruno Rabung hatte mit den 5er- und 6er-Klassen jüdische Lieder eingeübt. Hierbei brilliere der elfjährige Syrer Ayend Atto, der seit zwei Jahren in Riegelsberg lebt,  mit einer Soloeinlage. Geschichtslehrerin Dr. Christine Conrad hatte mit der Klasse 9b Gewürzkuchen gebacken nach dem Rezept der ermordeten jüdischen Mitbürgerin Amanda Salmon aus der Kirchstraße. Und die Klasse 7b/c hatte eine Broschüre über das Judentum im Religionsunterricht erarbeitet und ausgelegt.

 

1_Die 5er und 6er Klassen der Gemeinscha ftsschule sangen jüdische Lieder.jpg.jpgDie 5er- und 6er-Klassen der Gemeinschaftsschule sangen unter der Leitung von Bruno Rabung jüdische Lieder. Fotos: M. Jungfleisch

2_Auch von der Empore sangen die 6er Klassen mit.jpgAuch von der Empore sangen die 6er Klassen mit.

3_Ein Lied auf Hebraisch_gesungen vo n der 6a_ ging besonders an Herz.jpgEin Lied auf hebräisch, gesungen von der 6er Klasse, ging besonders an Herz.

4_ Der Elfjährige Syrer_Ayend Atto.jpg.jpg
Der elfjährige Syrer Ayend Atto, der seit zwei Jahren in Riegelsberg lebt, brillierte mit einer Soloeinlage.

5_Kuchenbacken machen den Schülerinnen Spaß.jpg.jpgDas Kuchenbacken nach dem Rezept von Amanda Salmon schuf Nähe zur ermordeten jüdischen Mitbürgerin. Foto: Dr. Christine Conrad

6_Bevor die Schuler zum Putzen aufbrache n, stärkten sie sich mit Gewürzkuchen.jpgZur Gedenkfeier verteilt die Klasse 9b mit ihrer Lehrerin Dr. Christine Conrad den Kuchen an die Gäste.

 

7_Schulleiter Günter Engel.jpgSchulleiter Günter Engels sagte: „Unsere Schule putzt gemeinsam mit dem Aktionsbündnis jedes Jahr die Stolpersteine für die Opfer des NS-Zeit. Damit setzen wir einen wichtigen Akzent gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus.“

8_Bürgermeister Klaus Häusle.jpgBürgermeister Klaus Häusle wies auf die zunehmende Spaltung der Gesellschaft hin und mahnte, wachsam gegenüber Intoleranz zu sein.

9_Ortsvorsteher Heiko Walter.jpgOrtsvorsteher Heiko Walter ermutigte die Schüler, gegen Hass und Mißgunst Widerstand zu leisten und stets respektvoll miteinander umzugehen.

9b_Bruno Rabung lobte besonder s seine syrischen Schüler, die sich sehr ergriffen zeigten von den semitischen Melodien..jpgMusiklehrer Bruno Rabung richtete sich in einer sehr anrührenden Erklärung direkt an seine Schüler: „Es hat mich sehr ergriffen zu sehen, wie selbstverständlich gerade die arabischstämmigen Schüler die jüdischen Lieder mitgesungen haben. Die Musik hat unsere Kinder aus den unterschiedlichen Nationen zusammengeführt.“

10_Gedenkfeier zur Reichspogromnacht 2018.jpgDie Riegelsberger Stolperstein-Initiatorin Monika Jungfleisch rief die Geschehnisse der Reichspogromnacht in Erinnerung. Foto: Benny Schmidt

 

Die Journalistin Monika Jungfleisch, die mit dem „Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg“ die aktive Erinnerungsarbeit in Riegelsberg vor rund fünf Jahren angestoßen hat, stellte den Bezug der historischen Ereignisse von vor 80 Jahren mit der Gegenwart her. „Damals brüllten nicht nur im fernen Berlin aufgehetzte Menschen ‚Juden raus‘. Auch in Riegelsberg klopften Nazis aus der Nachbarschaft nachts an der Haustür von Gottfried und Adele Gross in der Invalidenstraße. Mit ihrem hasserfüllten Geschrei und den brennenden Fackeln versetzten sie die Familie mit ihren Söhnen Erich und Paul in Angst und Schrecken. Heute werden wieder Juden auf offener Straße mit Hosengürteln geschlagen, werden Menschen mit dunkler Hautfarbe durch Straßen gehetzt. Damals nutzen die Nazis gerne verharmlosende Worte für ihre Taten. Sie sprachen von ‚Reichskristallnacht‘. Damit wollten sie von ihrer Brutalität und von dem zerstörerischen Ausmaß ihres Handelns ablenken. Denn in der Reichspogromnacht gingen nicht nur ein paar Schaufensterscheiben zu Bruch. Nein: Bis zu 1.500 Juden wurden in den vier Tage andauernden Ausschreitungen ermordert, 1.400 Synagogen angezündet, tausende Geschäfte und jüdische Friedhöfe verwüstet sowie rund 30.000 Juden in Konzentrationslager verfrachtet. Auch heute wird wieder mit Worten versucht, die wahren ausgrenzenden, menschenverachtenden Hintergedanken zu verschleiern. Aber können z.B. 6 Mio. ermordete Juden und 70 Mio. Kriegstote wirklich nur ein ,Vogelschiß‘ sein? Deshalb ist es wichtig, dass wir an die schrecklichen Ereignisse in der NS-Zeit erinnern.“

Mit Blick auf die aktuelle Diskussion, dass es auch irgendwann mal gut sei mit der deutschen Erinnerungsrührseligkeit, sagte Monika Jungfleisch an die Schüler gerichtet: „Ihr alle habt keine Schuld an den Verbrechen der NS-Zeit. Bei der deutschen Erinnerungskultur geht es auch nicht um Schuldzuweisungen, sondern darum, dass jeder einzelne Verantwortung dafür trägt, dass sich diese Ereignisse nicht wiederholen und dass eine Aussöhnung stattfinden kann. Als Lehre aus unserer Geschichte haben wir den Schutz der Menschenwürde unserem Grundgesetz vorangestellt. Darauf können wir Deutschen mit Recht stolz sein.“

Nach diesen mahnenden Worten verteilten die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9b den Gewürzkuchen, den sie nach dem Rezept von Amanda Salmon gebacken hatten, an die Gäste.

10a_Auch interessierte Burge rinnen und Bürger kamen zu Gedenkfeier an die Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule.jpgAuch interessierte Bürgerinnen und Bürger kamen zu Gedenkfeier an die Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule. Foto: Justin Langer

 

Anschließend brachen sie mit Putzeimer, Politur und Schwämmchen zum Putzen der Stolpersteine auf, wobei sie vor Ort auch die Schicksale der vier vertriebenen, ermordeten und auch beschützten Familien kurz referierten. Zusätzlich stellten sie Kerzen für Familie Neumark in der Talstraße 16, für die Familie Salmon und Albert in der Kirchstraße 20 und für Familie Gross in der Invalidenstraße 1 auf.

11_Ahmad Tirej, Geschichtslehrerein Dr. Chrstine Conrad und Schulleiter Günter Engel in der Talstraße.jpgAhmad Tirej, Lehrerin Dr. Chistine Conrad und Schulleiter Günter Engel putzen die Stolpersteine in der Talstraße. Fotos: M.Jungfleisch

12_Justin Langer, Emilio Calco und Sebastian Mathis (v.l.).jpgJustin Langer, Emilio Calco und Sebastian Mathis (v.l.) stellen Kerzen an die frisch polierten Stolpersteine für Familie Neumark.

14_In der Kirchstr putzten Sophia Wagner und C DU-Bürgermeisterkandidat Benny Schmidt.jpg.jpgIn der Kirchstraße putzen Sophia Wagner und CDU-Bürgermeisterkandidat Benny Schmidt die Stolpersteine für Familie Salmon und Albert.

15_Auch in der Kirchstrase erstra hlen die Stolpersteine wieder..jpgDanach strahlen die Stolpersteine in der Kirchstraße 20 wieder wie neu.

16_Paul Wolff und Dilhan Harmandali bringen die St olpersteine in der Invalidenstraße zum Glänzen..jpgPaul Wolff (r.) und Dilhan Harmandali bringen die Stolpersteine in der Invalidenstraße1  zum Glänzen.

 

In der Reichspogromnacht marschierte vor 80 Jahren eine kleine Gruppe NS-Schergen mit Fackeln in die Invalidenstraße vor das Haus der Familie Gross. Heute erinnern Stolpersteine daran, dass diese jüdischen Mitbürger von Nachbarn und Freunden beschützt wurden und Widerstand gegen die Nazis möglich war. Die Klasse 9b der Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule, das „Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg“ und interessierte Bürgerinnen und Bürger erinnerten am 9. November an die Geschehnisse in der Invalidenstraße vor 80 Jahren.

17_Die Klasse 9b der Leonardo-Da-Vinci-Geme inschaftsschule in der Invailidenstraße.jpgFoto: Dilhan Harmandali

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Gedenkfeier und „Putzaktion“ am 9.11.2018

Liebe Mitstreiter im Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg,

jedes Jahr um den 9. November putzen wir mit Schülern der Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule die 2015 verlegten Gedenksteine für die jüdischen Opfer des verbrecherischen nationalsozialistischen Regimes in Riegelsberg. Anlass ist die sogenannte Reichspogromnacht, die sich in diesem Jahr zum 80. Mal jährt.

Damals, in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 fanden im Deutschen Reich die ersten groß angelegten Ausschreitungen von Schlägertrupps des NS-Regimes gegen die jüdischen Mitbürger statt. Die Ausschreitungen dauerten rund vier Tage. Insgesamt wurden etwa 400 Menschen ermordet oder in den Selbstmord getrieben. Über 1.400 Synagogen, tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört.

Auftakt der diesjährigen „Putzaktion“ am Freitag, 9. November, ist eine Gedenkfeier im Foyer der Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule ab 8 Uhr.

Programmablauf der Gedenkstunde:

Nach der musikalischen Einstimmung mit jüdischen Liedern, vortragen von Siebtklässlern unter der Leitung von Musiklehrer Bruno Rabung, werden Schulleiter Günter Engel, Bürgermeister Klaus Häusle, Ortsvorsteher Heiko Walter sowie Volker Junge und Monika Jungfleisch vom Aktionsbündnisses Stolpersteine für Riegelsberg zu den Gästen sprechen.

Gezeigt wird auch die Dauerausstellung der Gemeinschaftsschule zu den jüdischen Opfern des NS-Regimes in Riegelsberg sowie die Übersichtstafel zur Ausstellung „Reichspogromnacht – Was geschah am 9. November 1938?“ vom Adolf-Bender-Zentrum.

Schüler der Klasse 9b werden den Gewürzkuchen nach dem Rezept der ermordeten Riegelsberger Jüdin Amanda Salomon, den sie mit Schulprojektbetreuerin Dr. Christine Conrad gebacken haben, als kleine Stärkung verteilen.

Rundgang zu den Stolpersteinen startet in der Talstraße

Danach beginnt der Rundgang zu den Stolpersteinen. Erste Station ist in der Talstraße 16. Weiter geht es dann zur Kirchstraße 20 und schließlich in die Invalidenstraße 1.

An den Steinen erinnern die Schüler an die Schicksale der jüdischen Mitbürger und stellen Kerzen auf, die das Licht der Seele der verstorbenen Menschen symbolisieren damit ins Bewußtsein rufen, dass sie unvergessen sind.

Ihr Alle seid zu der Gedenkfeier und der anschließenden Putzaktion herzlich eingeladen.

Am Nachmittag nehmen Vertreter des Aktionsbündnisses Stolpersteine für Riegelsberg als eine der 22 Mitgliedsorganisationen der „Landesarbeitsgemeinschaft Erinnerungsarbeit“ auch am gemeinsam mit der Synagogengemeinde Saar und der Landeshauptstadt Saarbrücken organisierten Gedenkmarsch zur Reichspogromnacht teil. Dieser Marsch beginnt am 9. November um 13.30 Uhr vor dem Hauptbahnhof und zeichnet den Weg nach, den die Saarbrücker Juden in der Pogromnacht gehen mussten. Auch hierzu freuen wir uns über jeden, der gemeinsam mit uns mitmarschiert.

Geputzt, poliert und erinnert

Gemeinschaftsschüler und „Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg“ säubern Gedenksteine für Opfer des NS-Diktatur und stellen Kerzen auf.

 

Riegelsberg. Anlässlich des Jahrestages der Reichspogromnacht haben auch in diesem Jahr Schüler der Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule zusammen mit dem „Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg“ die Gedenksteine für die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur in Riegelsberg geputzt.

Ihren Rundgang zu den Stolpersteinen begangen die Schüler in der Talstraße 16.

 

In diesem Jahr war die Klasse 9 c mit ihrer Lehrerin Kira Nickels an der Reihe. Bevor sich die Schüler mit Putzeimer, Politur und Putzschwämmchen auf den Weg machten, lobte Schulleiter Günter Engel und Bürgermeister Klaus Häusle das Engagement der Schüler.

Schulleiter Günter Engel lobte die Schüler, dass sie sich aktiv mit der Vergangenheit ihrer Vorfahren auseinandersetzen.

 

Garanten für die aktive Erinnerungsarbeit

„Schon das dritte Jahr beteiligt sich unsere Schule an der Putzaktion, mit der wir die schrecklichen Ereignisse von 1938 in Erinnerung rufen und uns aktiv mit der Vergangenheit unserer Vorfahren auseinandersetzen,“ sagte Günter Engel.

Bürgermeister Klaus Häusle sagte den Schülern: „Ihr seid die Garanten für die aktive Erinnerungsarbeit in unserem Ort.“

 

„Ihr seid die Garanten für die aktive Erinnerungsarbeit in unserem Ort, die das ‚Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg‘ vor rund vier Jahren angestoßen hat“, sagte der Rathauschef. „Durch die Zusammenarbeit mit der Schule ist es dem Aktionsbündnis gelungen, dauerhaft und nachhaltig den nachkommenden Generation Geschichte vor Ort ins Bewusstsein zu rufen und eine Kultur des Erinnerns in unserer Gemeinde zu begründen.“

Judenhass auch in Riegelsberg

Die Journalistin Monika Jungfleisch, Initiatorin des Aktionsbündnisses, machten den Schülern bewusst, dass der Rassenwahn der Nazis nicht nur in fernen Großstädten zu Tage trat. „In der Reichspogromnacht brannte auch in Saarbrücken die Synagoge. Und in Riegelsberg klopften Nazis aus der Nachbarschaft nachts an der Haustür von Gottfried und Adele Gross in der Invalidenstraße und brüllten ‚Juden raus‘. Hinter dieser Tür kauerten Schlossermeister Gottfried Gross und seine jüdische Frau Adele mit ihren beiden Kindern Erich (13 Jahre) und Paul (11 Jahre). Sie hatten Todesangst.“

Monika Jungfleisch vom „Aktionsbündnisses Stolpersteine für Riegelsberg“ erinnerte an die Gräueltaten der Nazis während der Reichspogromnacht und blickte auf 25 Jahre Stolpersteine – ein Kunst- und Bürgerprojekt – zurück.

 

Auf einmal war Geschichte nicht nur etwas, was vor langer Zeit irgendwo stattgefunden hat. Diese lebendige Beschreibung der Ereignisse der Reichspogromnacht in Riegelsberg elektrisierte die Jugendlichen. Manchem der Schüler, der selbst Flucht und Vertreibung erlebt hatte, schossen Tränen in die Augen. „War das echt so bei uns hier in Ort“?, wollten sie wissen. „Das hätten wir nicht für möglich gehalten.“

Tröstlich fanden die Schüler, dass es auch mutige Männer und Frauen in Riegelsberg gegeben hat, die sich diesem Hass entgegenstellten, Adele Gross und ihre Söhne beschützten und damit ein Beispiel aktiven Widerstandes gaben.

Auch heute immer noch Fremdenhass, Rassenwahn und nationale Überheblichkeit

Die im Raum stehende Frage, warum auch 79 Jahre nach der Reichspogromnacht, immer noch an die Verbrechen von damals erinnert werden muss, beantwortete Monika Jungfleisch mit klaren Worten: „Es hat in Riegelsberg über 70 Jahre gedauert hat, bis wir die ersten Opfer namentlich erwähnt, ihnen ein Gesicht gegeben, ihr Schicksal erzählt und ihnen mit den Stolpersteinen einen Gedenkort mitten unter uns gegeben haben. Und weil es auch 79 Jahre nach der Reichspogromnacht immer noch Fremdenhass, Rassenwahn und nationale Überheblichkeit gibt, die die Herzen der Menschen zerfressen. Deshalb erinnern wir an die Opfer solcher fehlgeleiteter Gedanken und Gefühle.“

Sina Presser aus der 9c trug das Soldatengedicht von Hans Retep vor.

Musiklehrer Bruno Rabung und die Klasse 7a umrahmten die Gedenkfeier musikalisch.

 

Teil eines europaweiten Kunst-und Bürgerprojektes

Um den Schülern deutlich zu machen, dass sie mit ihrem Engagement Teil eines europaweiten Kunst-und Bürgerprojektes sind, ließ die Journalistin die 25-jährige Geschichte der Stolpersteine Revue passieren. „Aus dem ersten Stolperstein, der am 16. Dezember 1992 vor dem Kölner Rathaus verlegt wurde, sind mittlerweile rund 61.000 Stolpersteine in 21 Ländern Europas geworden. Sie wuchsen zu einem der bedeutendsten Gedenkprojekte Europas zusammen. Und die Gemeinde Riegelsberg, Eure Schule und Ihr nun ganz persönlich seid ein Teil dieser ‚Volksbewegung des Erinnerns‘. Die Erinnerungskultur Eurer Heimat wird durch Eurer bürgerschaftliches Engagement geprägt.“

Nach der Gedenkfeier im Foyer der Gemeinschaftsschule im Beisein von Bürgermeister Klaus Häusle (3.v.r.), Ortsvorsteher Heiko Walter (2.v.l.), Schulleiter Günter Engel (2.v.r.), Monika Jungfleisch (m.) vom Aktionsbündnis Stolpersteine, Hans-Jürgen Marowsky vom Bündnis 90/die Grünen (r.) und den Lehrerinnen Dr. Christine Conrad (3.v.l.) und Kira Nickels (r.) starteten die Schüler der 9c zu der Putzaktion 2017 an den Stolpersteinen.

Kirill Starikov, Davids Trufanda, Aiko Bleisinger, Jessica Dahl und Mouaead Al Khateb (v.l.) putzten und polierten eifrig. Daniel Frauendorfer trug zuvor das Schicksal der Familie Neumark vor.

 

Mit so viel Lob und Ermutigung starteten die Schüler zusammen mit ihrer Lehrerin Kira Nickels, Schulprojektleiterin Dr. Christine Conrad, Schulleiter Günter Engel, Bürgermeister Klaus Häusle, Ortsvorsteher Heiko Walter, Hans-Jürgen Marowsky von der Fraktion „Bündnis 90/Die Grünen“ und Vertretern des Aktionsbündnisses ihre Putzaktion. In der Talstraße polierten sie die Gedenksteine für die Familie Neumark, in der Kirch- und Invalidenstraße die Stolpersteine für die Familien Salmon und Albert sowie Gross. Zusätzlich trugen sie die Schicksale der jüdischen Mitbürger vor und entzündeten Kerzen als Symbol dafür, dass das Licht der Seele des verstorbenen Menschen immer noch leuchtet, und dass er unvergessen ist.

Nach dem Putzen der Stolpersteine stellten Schüler der 9c auch Kerzen auf. 

 

Verfasst von Monika Jungfleisch (Journalistin)

Fotos: Monika Jungfleisch

Rede von Monika Jungfleisch anlässlich des 9. November

Liebe Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich grüße Sie alle herzlich im Namen des „Aktionsbündnisses Stolpersteine für Riegelsberg“ und danke allen, die sich wieder an der Gedenkfeier für die Opfer der NS-Zeit in Riegelsberg beteiligen.

Ganz besonders begrüße ich die Schüler der 9 c mit ihrer Klassenlehrerin Kira Nickels und Frau Dr. Christine Conrad, die das Stolperstein-Schulprojekt seit rund vier Jahren an Eurer Schule mitbetreut.

Ihr Schüler seid heute die Hauptpersonen unserer Gedenkfeier. Ihr habt Euch bereit erklärt, die Stolpersteine in diesem Jahr zu putzen und damit die Erinnerung an diese schlimme Zeit in unserer Gemeinde ins Bewusstsein zu rufen. Zugleich macht Ihr darauf aufmerksam, dass wir in Riegelsberg aus der Vergangenheit lernen wollen, nie mehr Menschen zu verachten, zu verfolgen oder gar zu ermorden.

Heute, vor genau 79 Jahren, haben die Nazis in der Reichspogromnacht eine neue Dimension ihrer Judenverfolgung eingeläutet. Bisher hatten die Nazis die Juden nur durch diskriminierende Gesetze vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Juden durften den deutschen Wald nicht mehr betreten, durften nicht mehr auf Parkbänken sitzen oder bestimmten Berufen nachgehen. Nun aber gingen sie gewaltsam gegen sie vor. Ab dem 9. November 1938 wurden Juden systematisch im ganzen Deutschen Reich verfolgt. Knapp drei Jahre später mündete das in den Holocaust. Ihr wisst, dabei wurden rund 6 Mio. Juden fabrikmäßig ermordet. Aber auch sowjetische Kriegsgefangene, sogenannte Zigeuner, geistig behinderte Menschen, Homosexuelle, Künstler, Schriftsteller und politisch Andersdenkende wurden von den Nazis verfolgt und ermordet.

An dieses unvorstellbare, unmenschliche Handeln erinnert Ihr heute mit dem Putzen der Stolpersteine. Denn nicht nur in Berlin, Frankfurt oder München wurden Juden nachts aus dem Bett gezerrt und auf der Straße zusammengetrieben, bespuckt, getreten, geschlagen.

Nicht nur in Saarbrücken wurden die Schaufensterscheiben zertrümmert, die jüdischen Geschäfte geplündert und die Synagoge in der Futterstraße angezündet.

Auch in Riegelsberg klopften nachts an der Haustür von Gottfried und Adele Gross in der Invalidenstraße Nazis aus der Nachbarschaft und brüllten „Juden raus“. Hinter dieser Tür, die Ihr Euch nachher genau ansehen könnt, kauerten Schlossermeister Gottfried Gross und seine jüdische Frau Adele mit ihren beiden Kindern Erich (13 Jahre) und Paul (11 Jahre). Sie hatten Todesangst. Draußen vor der Tür schrien ihre Nachbarn ihren Judenhass heraus. Nachbarn, die sie am Tag davor noch gegrüßt hatten, mit denen sie über den Gartenzaun ein Schwätzchen gehalten hatten oder die im Geschäft von Adele und ihren Schwestern in der Kirchstraße eingekauft hatten.

Nun waren sie aufgehetzt, verblendet vom Hass gegen alles Jüdische. Dieser irrige Rassenwahn hatte ihre Sinne und ihre Herzen zerfressen.

Gottlob gab es in Riegelsberg auch mutige Männer und Frauen, die sich diesem Hass entgegenstellten.

Ihr wisst, Adele und ihre beiden Jungs wurden versteckt und gerettet. Ihre Verwandten hingegen, die Familien von Adeles Schwestern Amanda und Leonie, wurden bis auf einen ermordet.

Damit ihr Euch vorstellen könnt, wie gewaltig diese Novemberpogrome waren, ein paar Zahlen: vom 7. bis 13. November 1938 wurden etwa 400 Menschen ermordet oder in den Selbstmord getrieben. Über 1.400 Synagogen, tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört.

Das alles ist jetzt 79 Jahre her. Warum machen wir heute immer noch so ein Aufhebens um damals? Ist es nicht endlich mal Zeit, die alten Geschichten ruhen zu lassen?

Meine Antwort darauf lautet: Nein, denn die Greueltaten der Nazis waren zu erschreckend. Meine eigenen Eltern konnten und wollten jahrelang darüber nicht reden. Sie verdrängten diese Zeit. Vielleicht erging es Euren Großeltern genau so.

In Riegelsberg hat es über 70 Jahre gedauert, bis wir die ersten Opfer namentlich erwähnt, ihnen ein Gesicht gegeben und ihr Schicksal erzählt haben. Und mit den Stolpersteinen ihnen einen Gedenkort mitten unter uns gegeben haben.

Ein weitere Grund, warum wir uns erinnern sollten: Weil es auch 79 Jahre nach der Reichspogromnacht immer noch Menschen gibt, die glauben, dass die einen besser und wertvoller sind, als die anderen. Deshalb ist es wichtig, uns daran zu erinnern, wohin Fremdenhass, Rassenwahn und nationale Überheblichkeit führen können.

Ganz konkret meine ich damit: Vor 79 Jahren riefen die Nazis „Juden raus“, heute hört man öfters „Ausländer raus“. Bei den Nazis folgten auf die Worte schlimme Taten, sie zündeten Synagogen an, heute brennen bei uns Flüchtlingsheime. In diesem Jahr waren es schon über 260 Anschläge verteilt in der Bundesrepublik. Die Nazis bauten Konzentrationslager und vergasten dort Juden, politisch Andersdenkende, Behinderte, Homosexuelle. Heute reden wir über Auffanglager für Kriegs- und Hungerflüchtlinge vor den Toren Europas und der Nationalsozialistische Untergrund tötete in den vergangenen Jahren zehn meist türkischstämmige Mitbürger.

Ihr seht, was auf böse Worte folgen kann: böse Taten. Gestern wie heute. Deshalb erinnern wir an die Opfer solcher fehlgeleiteter Gedanken und Gefühle.

Übrigens: In diesem Jahr feiern die Stolpersteine ihr 25-jähriges Jubiläum und der Künstler seinen 70. Geburtstag. Der erste Stolperstein wurde vor 25 Jahren in Köln verlegt, am 16. Dezember 1992 vor dem Rathaus. Genau dort, wo sich Brautpaare zum Foto aufstellen, ersetzte der Künstler Gunter Demnig einen Pflasterstein durch einen Stolperstein. Anlass war der 50. Jahrestag eines Erlasses, dass alle Zigeuner in das KZ Auschwitz-Birkenau zu bringen seien. (Auf dem Stein ist ein Auszug aus diesem Erlass in Metall eingeschlagen und in dem Stein ist eine Abschrift des Erlasses in einem Hohlkörper eingearbeitet.)

Dieser erste Stolperstein erregte die Gemüter. Er war nämlich ohne Genehmigung verlegt und der damalige Oberstadtdirektor bestand darauf, dass er wieder auf Kosten des Künstlers entfernt wird. Damals setzten sich viele Kölner Bürger, Künstler und Journalisten für Gunter Demnig und seine Idee dieses kleinen Mahnmals ein. Der Stein durfte letztendlich bleiben. Aus diesem ersten Stolperstein für die verfolgten Sinti und Roma wurde im Laufe der Jahre ein Kunstprojekt, ein KunstDenkmal, und letztendlich eine Bürgerbewegung, sozusagen eine „Volksbewegung des Erinnerns“ an die Verfolgten und ermorderten der Nazi-Zeit.

Mittlerweile hat sich die Größe und die Beschriftung der Stolpersteine verändert. Gleichgeblieben ist aber die Idee, dass dieses Projekt von Bürgern getragen wird. Sie initiieren die Verlegung der Stolpersteine in ihrer Gemeinde. Sie setzen es häufig gegen Widerstände durch. Sie organisieren die Veranstaltungen im Umfeld der Verlegungen. Sie sorgen für die Finanzierung und eine größtmögliche Nachhaltigkeit, in dem sie z.B., wie hier in Riegelsberg, eine Schule einbinden. Damit bei denjenigen, die überhaupt keine Erinnerung an die NS-Zeit haben, ein Bewußtsein erwacht: Ihr seid diejenigen, die dafür Sorge tragen, dass sich dieser Irrweg des übersteigerten Nationalbewußtseins, der Ausgrenzung anderer und gar ihre Verfolgung und Vernichtung nicht wiederholt.

Mittlerweile sind über 61.000 Steine in 21 Ländern Europas verlegt. Sie wuchsen zu einem der bedeutendsten Gedenkprojekte Europas zusammen. Und die Gemeinde Riegelsberg, Eure Schule und Ihr nun ganz persönlich seid ein Teil dieses europaweiten Kunst-und Bürgerprojektes. Die Erinnerungskultur Eurer Heimat wird durch Euer bürgerschaftliches Engagement geprägt.

Darauf könnt Ihr stolz sein. Nun könnt Ihr mit viel Elan die Stolpersteine putzen.

Schüler putzen Stolpersteine in Riegelsberg

Erinnerung an Opfer der Nazi-Diktatur wachhalten.

Putzaktion am 9. November startet um 8.30 Uhr im Foyer der Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule.

 

Riegelsberg. Einmal im Jahr, zum Jahrestag der sogenannten Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938, rücken Schüler der Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule mit Putzeimer, Poliertuch und Schwämmchen in der Tal-, Kirch- und Invalidenstraße an, um die Stolpersteine für die Opfer der Nazi-Diktatur zu reinigen. Diese Gedenksteine in den Bürgersteigen erinnern an die jüdischen Mitbürger, die bis zu Hitlers Machtergreifung friedlich in Riegelsberg lebten und nach 1933 von Mitbürgern gedemütigt, verfolgt, außer Landes gedrängt, deportiert, in Konzentrationslager gesteckt und schließlich ermordet wurden. Andere wurden aber auch beschützt und versteckt.

Vortrag über „25 Jahre Stolpersteine in Deutschland – der Beginn einer Bürgerbewegung für ganz Europa“

Auch in diesem Jahr werden Schüler der Klasse 9c mit ihrer Lehrerin Kira Nickels, Schulleiter Günter Engel, Schulprojektbetreuerin Dr. Christine Conrad, Bürgermeister Klaus Häusle, Ortsvorsteher Heiko Walter und Vertretern des „Aktionsbündnisses Stolpersteine für Riegelsberg“ am kommenden Donnerstag, 9.November, unterwegs sein.

Die Putzaktion beginnt um 8.30 Uhr im Foyer der Gemeinschaftsschule. Monika Jungfleisch, die Initiatorin des „Aktionsbündnisses Stolpersteine für Riegelsberg“, wird mit einem Kurzvortrag zum Thema „25 Jahre Stolpersteine in Deutschland – der Beginn einer Bürgerbewegung für ganz Europa“ auf die Putzaktion einstimmen. Die Schule sorgt für die musikalische Umrahmung. Bürgermeister Klaus Häusle wird ebenfalls zu den Schülern sprechen. „Gegen 9 Uhr starten wir mit der Klasse 9c unseren Rundgang zu den Steinen. Wir beginnen in der Talstraße und gehen dann weiter zur Kirchstraße und schließlich in die Invalidenstraße“, erklärt der Sprecher des Aktionsbündnisses Volker Junge.

Schüler zünden Kerzen an den Stolpersteinen an

An den Steinen werden die Schüler an die Schicksale der jüdischen Mitbürger erinnern und Kerzen aufstellen. „Mit diesem Ritual aus unserer christlich-jüdischen Tradition symbolisieren wir, dass das Licht der Seele des verstorbenen Menschen immer noch leuchtet, und dass er unvergessen ist“, erklärt Monika Jungfleisch. „Die Idee, zusätzlich zum Putzen der Stolpersteine auch Kerzen anzuzünden, kam von der Völklinger Stolperstein-Initiative, der wir uns gerne anschließen. Hoffentlich leuchten in vielen saarländischen Städten an den Stolpersteinen in diesem Jahr Kerzen.“

Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind zu dem Kurzvortrag und der Putzaktion  herzlich eingeladen.

Verfasst von Monika Jungfleisch (Journalistin)

Schüler putzen Stolpersteine in Riegelsberg

Erinnerung an Opfer der Nazi-Diktatur wachhalten

Riegelsberg. Einmal im Jahr, zum Jahrestag der sogenannten Reichskristallnacht, rücken Schüler der Leonardao-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule mit Putzeimer, Poliertuch und Schwämmchen in der Tal-, Kirch- und Invalidenstraße an, um die Stolpersteine für die Opfer der Nazi-Diktatur zu reinigen. Diese Gedenksteine in den Bürgersteigen erinnern an die jüdischen Mitbürger, die bis zu Hitlers Machtergreifung friedlich in Riegelsberg lebten und nach 1933 von Mitbürgern gedemütigt, verfolgt, außer Landes gedrängt, deportiert, in Konzentrationslager gesteckt und schließlich sogar ermordet wurden. Andere wurden aber auch beschützt und versteckt.

In diesem Jahr waren Schüler der Klasse 9b mit ihrer Lehrerin Anja Hahn, Co-Tutor Gerd Spath, Schulleiter Günter Engel, Bürgermeister Klaus Häusle, Ortsvorsteher Heiko Walter und Vertreter des „Aktionsbündnisses Stolpersteine für Riegelsberg“ unterwegs.

In kleinen Dialogen stellten die Schüler Hendrik Haller, Nico Schug, Lukas Haddar, Cedric Schwarz, Anastasia Minakova, Celine Krämer und Vanessa Merkel die Schicksale der  jüdischen Familien vor, während Denis Findik, Malik Cyperski, Moritz Posth, Celine Krämer und Maurice Lehmann die Gedenksteine polierten. Mit Hilfe von Doris Frey aus Walpershofen und Wolfgang Edlinger aus Riegelsberg, zwei engagierten und erfahrenen Stolpersteinputzern, brachten die Schüler die Steine im wahrsten Sinne des Wortes wieder zum Glänzen.

Doris Frey (m.) half in der Kirchstraße mit Messingpolitur für beste Putzergebnisse an den Stolpersteinen für die Familie Salmon.
Foto: M. Jungfleisch.

Auch in der Invalidenstraße glänzen nun die Stolpersteine für Familie Gross wieder.
Fotos: M. Jungfleisch und Anja Hahn.

Schulleiter Günter Engel sagte den Schülern, dass es sicherlich nicht immer leicht sei, am Bürgersteig zu knien und durch das Putzen der Steine Farbe zu bekennen. Mitbürger schauen einen fragend an. „Und dann müsst ihr Antworten geben und Euch der Geschichte stellen. Aber gerade dies ist die Stärke dieses künstlerischen Projektes der Stolpersteine, das Geschichte so hautnah erleben lässt.“

Durch die positiven Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit dem „Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg“, das vor drei Jahren begann, die Schicksale der Opfer der NS-Diktatur für Riegelsberg aufzuarbeiten, kündigte Schulleiter Engel an, sich für die deutschlandweite Initiative „Schule ohne Rassismus Schule mit Courage“ zu bewerben.

„Das würde dem Engagement der Schule einen weiteren Motivationsschub in ihrem Bemühen geben, sich für Respekt und Achtung voreinander und für ein gutes Miteinander in Riegelsberg einzusetzen, statt sich von Fremdenhass und Ausgrenzung infizieren zu lassen“, sagte Volker Junge, Sprecher des Aktionsbündnisses.

Dass sich auch spontan Bürger von dem Engagement der Schüler anstecken lassen, zeigte Dirk Blum. Er spendete 50 Euro für die Klassenkasse der 9b als Anerkennung, dass sie vor seinem Haus in der Talstraße die Stolpersteine für Familie Neumark geputzt haben.

Wieder auf Hochglanz gebracht wurden die Stolpersteine in der Talstraße für Familie Neumark.
Foto: M. Jungfleisch.

Nach getaner Arbeit ermunterte die Riegelsberger Journalistin Monika Jungfleisch die Schüler, ihr bei den weiteren Recherchearbeiten zu helfen. „Befragt Eure Großeltern, ob sie die mutigen Männer kennen oder ihre Nachkommen, geht mit mir in die Archive, durchstöbert alte Akten.“ Ohne zu zögern, bekräftigten die Schüler ihr Interesse zur Mithilfe.

Verfasst von Monika Jungfleisch (Journalistin)

Rede von Volker Junge zur Ausstellungseröffnung

Liebe Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule, meine Damen und Herren,

ich grüße Sie alle herzlich im Namen des Aktionsbündnisses Stolpersteine für Riegelsberg. Ganz besonders danke ich den Lehrerinnen und Schülern für die beeindruckende Ausstellung und die bisher geleistete Arbeit in Eurer Schule. Ich finde Euer Engagement toll und vorbildlich.

Es gibt den guten Brauch, zu Allerheiligen die Gräber der Verstorbenen zu besuchen. Ich weiß nicht, ob ihr das in Euren Familien auch tut, um Eure toten Angehörigen nicht zu vergessen, und um sie durch Euren Gang zum Friedhof zu würdigen.

Ganz ähnlich verhält es sich mit den Stolpersteinen, die auf Bürgersteigen in Riegelsberg verlegt wurden. Sie erinnern an die Riegelsberger, die als Juden in der Nazi-Diktatur verfolgt, vertrieben und ermordet wurden. Ihr werdet diese Stolpersteine heute putzen. Und dafür sage ich Euch jetzt schon herzlichen Dank.

Mit dieser Putzaktion wollen wir darauf aufmerksam machen, dass wir in Riegelsberg aus der Vergangenheit lernen wollen, nie mehr Menschen zu verachten, zu verfolgen oder gar zu ermorden.

Ist diese Erinnerung heute überflüssig geworden?

Wer in die Zeitung schaut, Nachrichten hört, Tagesschau sieht, der merkt: Fremdenhass, Diskriminierung und Gewalt sind in Deutschland wieder lebendig und an der Tagesordnung. Das ist ein aktuelles Problem für uns alle.

Wisst ihr, womit in der Nazi-Zeit das unmenschliche Verhalten begann? Mit Worten! Leute schrieen: „Juden raus“, „Juden sind Schädlinge“, „Juda verrecke“. Zuerst also diskriminierte man Mitbürger mit Worten. Nach den bösen Worten kamen die bösen Taten. Man plünderte und zerstörte jüdische Geschäfte, man zündete am 9. November vor 79 Jahren jüdische Gotteshäuser an, trieb Juden durch die Straßen und dann ermordete man sie.

Heute erleben wir das wieder in ähnlicher Weise. Pegida-Anhänger schreien: „Ausländer raus“, „Flüchtlinge abschieben“, „Moslems weg aus Deutschland“.

Aber es bleibt nicht bei Worten, es folgen auch schlimme Taten: Flüchtlingsheime werden angezündet, Flüchtlinge werden von Neonazis durch die Straßen gejagt. Die Mitglieder des Nationalsozialistischen Untergrunds ermorden 10 Mitbürger, meist türkischer Abstammung.

Ihr seht, es beginnt mit bösen Worten, und es mündet in böse Taten. So war es im Dritten Reich, so ist es heutzutage leider wieder.

Dagegen setzt ihr mit Eurer Schule, mit dieser informativen Ausstellung und mit der Putzaktion der Stolpersteine in unserer Gemeinde Riegelsberg ein wichtiges Zeichen. Damit engagiert ihr Euch mit Euren Lehrerinnen gegen Ausgrenzung, gegen Diskriminierung, gegen Verfolgung von Minderheiten, und stattdessen für ein gutes Miteinander in Riegelsberg, für Respekt und Achtung voreinander und für ein friedliches, tolerantes Zusammenleben in unserer Gemeinde. Ich möchte Euch dafür von Herzen danken.

Ansprache von Monika Jungfleisch zur Ausstellungseröffnung

Liebe Schüler,

vor rund drei Jahren haben wir vom Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg begonnen, die Schicksale der Riegelsberger Opfer des Nationalsozialismus zu recherchieren. Angefangen haben wir mit den jüdischen Mitbürgern, die nach Hitlers Machtergreifung gedemütigt, verfolgt, außer Landes gedrängt, deportiert, in Konzentrationslager gesteckt und schließlich sogar ermordet wurden. Glücklicherweise hatten wir in Riegelsberg aber auch mutige Menschen, die ihre jüdischen Mitbürger geschützt und sogar versteckt haben und somit ihr Überleben gesichert haben.

Eure Schule hat damals mitgeholfen, Licht in das Dunkel dieser schrecklichen Zeit zu bringen. Dafür sprechen wir Euch und Euren Lehrern, allen voran Frau Dr. Christine Conrad, Frau Ulla Roth, Frau Sabine Späder und auch Eurem Schulleiter Herrn Günter Engel nochmals unseren herzlichen Dank aus.

Nun wollen wir weiteren Opfern Namen und Gesicht geben.

Wisst ihr denn, wer außer den jüdischen Mitbürgern noch verfolgt wurde? Und habt ihr eine Vorstellung, wie viel Zivilisten und wie viele Soldaten in etwa ihr Leben unter der NS-Diktatur verloren?

Historiker schätzen, dass rund 70 Mio. Menschen im 2. Weltkrieg getötet wurden, darunter fast die Hälfte Zivilisten.

Dem Rassenwahn und dem politischen Fanatismus fielen durch verbrecherische Maßnahmen (also ohne Einbeziehung der Kriegshandlungen) mindestens 13 Millionen Menschen zum Opfer.

Neben 6 Mio. Juden und 3,5 Mio. sowjetischen Kriegsgefangenen zählen auch – rund 200.000 sogenannte Zigeuner, also Sinti und Roma, dazu,

– rund 200.000 geistig behinderte Menschen, die sogenannten Euthanasie-Opfer, – Homosexuelle,  Künstler und Schriftsteller und

– rund 130.000 politisch Andersdenkende, wie z.B. Kommunisten oder Sozialdemokraten.

Über letztere Gruppe haben wir vom Aktionsbündnis ganz aktuell angefangen, nachzuforschen. Wir konnten bis jetzt 13 Namen von politisch aktiven Männern aus Riegelsberg in Erfahrung bringen, die wegen ihrer politischen Einstellung beleidigt, verprügelt, bespuckt, verfolgt, entlassen, verhaftet, in KZs deportiert und sogar wegen Hochverrats hingerichtet wurden. Zwei  von Ihnen will ich Euch kurz vorstellen.

Fritz Klein aus Hilschbach engagierte sich als Sozialdemokrat gegen den Anschluss des Saargebietes 1935 an Hitlerdeutschland. Er ging nach der Angliederung ans Deutsche Reich nach Frankreich und organisierte von Forbach aus den Widerstand. Am 9. Oktober 1943 wurde er von der deutschen Feldgendarmerie in Frankreich aufgegriffen und nach Deutschland gebracht. Vom Volksgerichtshof wurde er am 29. Juni 1944 wegen Hochverrats, landesverräterischer Waffenhilfe und Feindbegünstigung zum Tode verurteilt. Am 22. September 1944 wurde er mit dem Fallbeil im Strafgefängnis Seilerbahn in Bruchsal hingerichtet.

Ein weiterer politisch verfolgte Riegelsberger war Johann Neu aus der Saarbrücker Str. 157. Es war ein einfacher Bergmann, arbeitete auf der Grube Luisenthal als Rohrschlosser. Am 30. Juli 1937 wurde er aus politischen Gründen entlassen. Er musste sich fortan als Hilfsarbeiter betätigen und lebte mit Frau und Tochter in Armut. Nach dem Krieg versuchte er, als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt zu werden und eine Entschädigung für entgangenen Lohn und Rentenansprüche zu erhalten. Hierfür musste er Zeugen angeben, die seine politischen Aktivitäten bestätigten. Das war nicht so einfach, denn in den Verwaltungen oder den Gerichten saßen ja immer noch vielfach hitlertreue Mitarbeiter. So hat z.B.  der damalige Verwaltungsvorsteher der Gemeinde Riegelsberg, Josef Schneider, in einem vertraulichen Schreiben dem Landrat zur Wiedergutmachung politischer Schäden mitgeteilt: Herr Johann Neu hat sich nicht als NS-Gegner hervorgetan, und ihm sei sogar bekannt, dass seine Tochter bei den braunen Schwestern ausgebildet wurde“. Gottlob fand Johann Neu auch Personen, die ihm beistanden. Sie bestätigten seine politischen Aktivitäten im früheren Saarbund. Das war eine Vereinigung, die sich gegen den Anschluss des Saargebietes an Hitlerdeutschland 1935 ausgesprochen hatte. Im Januar 1949 wurde er dann endgültig als Opfer des NS anerkannt.

Wie Johann Neu erging es übrigens vielen politischen Opfern, die nach Kriegsende auf eine Entschädigung hofften. Vielfach wurden ihre Anträge zurückgewiesen, da sie zu spät gestellt worden seien. Die Frist für einen Entschädigungsantrag war von der saarländischen Landesregierung auf den  20.09.1947 festgesetzt worden. Später wurde die Frist dann bis 20.6.1948 verlängert. Oder ihre Anträge wurden abgelehnt, weil sie nicht genügend Beweise für ihr politischen Aktivitäten vorlegen konnten, oder weil sie keine Belege über ihre genauen Verluste beibringen konnten, wie z.B. Bescheinigungen über Lohnausfälle.

Vielfach zogen sich die Anträge auf Entschädigung mehrere Jahre hin und die finanzielle Entschädigung belief sich auf wenige Tausend Mark.

Das hier waren nun in Kurzversion zwei Schicksale Riegelsberger Bürger. Wir vom Aktionsbündnis hoffen, dass wir mit Hilfe Riegelsberger Bürger – und vielleicht sogar mit Eurer Hilfe – noch mehr über die politisch Verfolgten des NS-Regimes in Erfahrung bringen. Im nächsten Jahr  wollen wir zum Gedenken für diese mutigen Mitbürger weitere Stolpersteine in Riegelsberg verlegen.

Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule eröffnet Dauer-Ausstellung zu ihrem „Schulprojekt Stolpersteine“.

Gegen Ausgrenzung von Fremden, für ein friedliches Zusammenleben in unserer Gemeinde.

Riegelsberg. Sich gegen Rassismus zu engagieren, ist nicht immer leicht. Umso mehr freute sich Günter Engel, Leiter der Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule in Riegelsberg, dass sich Schüler seiner Schule seit drei Jahren aktiv in dem „Schulprojekt Stolpersteine“ mit der Vergangenheit vor der eigenen Haustür beschäftigen. Initiiert wurde das Schulprojekt vom „Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg“.

Zur Ausstellungseröffnung „Schulprojekt Stolpersteine“ begrüßte Schulleiter Günter Engel neben Schülern und Lehrern der Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule auch Bürgermeister Klaus Häusle, Ortsvorsteher Heiko Walter, Vertreter des „Aktionsbündnisses Stolpersteine“ und interessierte Bürger.
Foto: M. Jungfleisch.

„Seit seiner Gründung vor drei Jahren binden wir gezielt Riegelsberger Schüler in die Aufarbeitung der Schicksale von Opfern der Hitler-Diktatur ein“, erklärt der evangelische Pfarrer Volker Junge, Sprecher des Aktionsbündnisses. Die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit haben die Schüler unter Leitung ihrer Lehrerin Dr. Christine Conrad in Form einer Dauerausstellung im Foyer-Bereich der Gemeinschaftsschule am vergangenen Donnerstag eröffnet.

Die Historikerin Monika Jungfleisch (r.) hat die Schicksale der jüdischen Opfer recherchiert, Dr. Christine Conrad hat die Ausstellung mit den Schülern konzipiert.
Foto: Wolfgang Edlinger.

Anlass hierfür war der 79. Jahrestag der sogenannten Reichspogromnacht, in der vom 9. auf den 10. November 1938 Schlägertrupps des NS-Regimes Synagogen in Brand setzten, jüdische Geschäfte plünderten und Juden misshandelten.

Die Ausstellung zeigt die von der Riegelsberger Historikerin Monika Jungfleisch recherchierten Fotos und Schicksale der jüdischen Mitbürger, die nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zum einen verfolgt, in Konzentrationslager gesteckt und schließlich sogar ermordet wurden und zum anderen auch von mutigen Riegelsbergern beschützt und sogar versteckt wurden. Abgerundet wird die Ausstellung durch das Kunstprojekt unter Leitung von Kunstlehrerin Sabine Späder, das die Schüler im Rahmen einer Gemeinschaftsausstellung mit heimischen Künstlern auf Initiative des „Aktionsbündnisses Stolpersteine“ erarbeitet haben.

Zur Eröffnung der Dauer-Ausstellung „Schulprojekt Stolpersteine“ lobten Ortsvorsteher Heiko Walter, Bürgermeister Klaus Häusle, Schulleiter Günter Engel, Lehrerin Dr. Christine Conrad, Monika Jungfeisch und Volker Junge vom „Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg“ das Engagement der Schüler im Kampf gegen Rassismus.
Foto: Wolfgang Edlinger.

Volker Junge würdigte die informative Ausstellung und schlug den Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart. „Warum ist es heute immer noch so wichtig, sich an dieses dunkle Kapitel unserer Geschichte zu erinnern? Weil Fremdenhass, Diskriminierung und Gewalt in Deutschland wieder lebendig und an der Tagesordnung sind. Das unmenschliche Verhalten der Nazis begann mit Worten. Nach den bösen Worten kamen die bösen Taten. Damals brannten die Synagogen, heute brennen die Flüchtlingsheime. Ihr seht, es beginnt mit bösen Worten, und es mündet in böse Taten. So war es im Dritten Reich, so ist es heutzutage leider wieder.“

Volker Junge, Sprecher des „Aktionsbündnisses Stolpersteine“, dankte den Schülern für ihr Engagement gegen Ausgrenzung, gegen Verfolgung von Minderheiten, und stattdessen für ein friedliches, tolerantes Zusammenleben in unserer Gemeinde.
Foto: M. Jungfleisch.

Bürgermeister Klaus Häusle griff diese Gedanken auf und sagte: „Die Migrationsbewegungen werden zunehmen, darauf müssen wir Antworten finden, eine dazu gebt ihr, indem ihr euch dafür einsetzt, dass Hass auf Fremde und Andersgläubige nicht stattfinden darf.“ Dass das „Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg“ weitere Schicksale recherchiert und die Erinnerung an die Opfer der NS-Zeit wachhalten wird, lobt Häusle. „Schön, dass dieses Engagement weitergeht.“

Bürgermeister Klaus Häusle freute sich, dass die Schüler weiterhin mit dem „Aktionsbündnis Stolpersteine“ die Erinnerung an die Opfer der NS-Diktatur wachhalten wollen.
Foto: M. Jungfleisch.

„Hierfür wollen wir wieder auf die Mithilfe der Schüler setzen“, sagte Monika Jungfleisch, die die neuen Pläne des Aktionsbündnisses vorstellte. „Nach den jüdischen Opfern wollen wir uns nun den politisch Verfolgten des NS-Regimes widmen. 13 Namen von Sozialdemokraten und Kommunisten konnten wir mittlerweile in Erfahrung bringen. Einer von ihnen, Fritz Klein aus Hilschbach, wurde 1944 wegen Hochverrats in Bruchsal hingerichtet. Die Mehrzahl der politisch verfolgten Riegelsberger Bürger verlor wegen ihres Widerstandes gegen die NS-Diktatur  ihren Arbeitsplatz und fristete als Hilfsarbeiter ein kärgliches Leben. Nach der Befreiung Deutschlands von den Nazis mussten sie viele Jahre um eine Entschädigung kämpfen.Für sie wollen wir im kommenden Jahr weitere Stolpersteine in Riegelsberg verlegen.“

Schüler der Klassenstufe 6 gestalteten die Ausstellungseröffnung unter Anleitung von Musiklehrer Bruno Rabung. Foto: M. Jungfleisch.

Verfasst von Monika Jungfleisch (Journalistin)

Ausstellungseröffnung „Schulprojekt Stolpersteine“ und Putzaktion am 10.11.2016

Unser Weg zu den Stolpersteinen“

Riegelsberg. In der Nacht vom 9. auf dem 10. November 1938 setzten organisierte Schlägertrupps des NS-Regimes 1.400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume in Brand und zerstörten tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe. Es ist die Nacht, in der tausende Juden misshandelt, verhaftet oder getötet wurden. Die sogenannte Reichspogromnacht, im Volksmund auch Reichskristallnacht genannt, markiert den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden seit 1933 zur systematischen Verfolgung, die knapp drei Jahre später in die Vernichtung von insgesamt 6 Mio. Juden mündete.

„Reichskristallnacht“ ist Anlass zur alljährlichen Putzaktion an den Stolpersteinen in Riegelsberg

Dieses Datum nimmt die Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule und das „Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg“ alljährlich zum Anlass, die in Riegelsberg verlegten Stolpersteine zu putzen.

Die Schule hat die Patenschaft für die Gedenksteine an die Opfer der Diktatur der Nationalsozialisten übernommen und beteiligte sich auch an der Verlegung der ersten Stolpersteine für die jüdischen Opfer am 20. April 2015 sowie an der 1. Putzaktion der Stolpersteine im vergangenen November.

Ausstellung zum „Schulprojekt Stolpersteine“

Im Vorfeld laden Schule, Aktionsbündnis und Bürgermeister Klaus Häusle am 10. November, 10 Uhr, alle interessierten Bürgerinnen und Bürger zur Eröffnung der Ausstellung „Unser Schulprojekt Stolpersteine“ in die Gemeinschaftsschule in der Lindenstr. 9 ein.

Die damalige Klasse 9b beschäftigte sich mit ihren Lehrerinnen Dr. Christine Conrad und Ulla Roth im Rahmen des Geschichtsunterrichts mit der Zeit des Nationalsozialismus, des 2. Weltkriegs und der Judenverfolgung. Auf Anregung des Aktionsbündnisses ließen sich die Schüler anregen, sich aktiv in die Vorbereitungen zur Verlegung der ersten Stolpersteine in Riegelsberg einzubringen. Zusätzlich gestalteten Schüler mit ihrer Kunstlehrerin Sabine Späder gemeinsam mit heimischen Künstlern auf Anregung des Aktionsbündnisses zum 71. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus am 8. Mai 1945 eine Ausstellung im Rathaus unter dem Motto „Was reißt uns auseinander – was hält uns zusammen“.

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Anlässlich des Jahrestages der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 putzen Schüler der Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule die Stolpersteine in Riegelsberg.  Foto: M. Jungfleisch.

„Ihren Weg zu den Stolpersteinen, ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit dem Thema haben die Schülerinnen und Schüler in Texten und Fotografien zusammengestellt. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Schicksale der jüdischen Familien, die die Historikerin Monika Jungfleisch recherchiert hat“, erklärt Schulleiter Günther Engel.

Im Rahmen der Ausstellungseröffnung wird Volker Junge, Sprecher des „Aktionsbündnisses Stolpersteine“ die Ziele des Bündnisses und ihre aktuelle Bedeutung im Zuge von aufkeimendem Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus ins Bewußtsein rufen.

Die Initiatorin des Aktionsbündnisses, Monika Jungfleisch, wird die neuesten Rechercheergebnisse zu den politischen Opfern des NS-Zeit skizzieren, für die im kommenden Jahr weitere Stolpersteine in Riegelsberg verlegt werden sollen.

Putzen der Stolpersteine ab 11 Uhr Talstraße/Ecke Saarbrücker Straße.

Im Anschluss werden die Schüler der derzeitigen 9er Klasse von Lehrerin Anja Hahn zu den Stolpersteinen in der Tal-, Kirch- und Invalidenstraße gehen und die Gedenksteine putzen. Treffpunkt: 11 Uhr Talstraße/Ecke Saarbrücker Straße.

„Wir freuen uns, wenn Eltern, interessierte Bürgerinnen und Bürger unsere Ausstellung besuchen und unsere Schüler auf ihrem Weg zum Reinigen der Stolpersteine begleiten“, erklärt Schulleiter Engel.

Verfasst von Monika Jungfleisch (Journalistin)