Eine eindrucksvolle und würdevolle Gedenkfeier

Am 20. April sind in Riegelsberg die ersten Stolpersteine von dem Künstler Gunter Demnig verlegt worden.

Diese Stolpersteine sind unaufdringliche, aber eindringliche Monumente. Sie erinnern an jüdische Mitbürger, die zu Verfolgten und Opfern der Vernichtungsmaschinerie der Nazis wurden. Die Steine sind in der Talstraße, der Invalidenstraße und der Kirchstraße verlegt worden. Genau an denjenigen Orten, an denen die Verfolgten zuletzt gewohnt haben, bevor sie zur Flucht gezwungen, verhaftet oder deportiert wurden.

Mit Stolpersteinen wird die Erinnerung an die Verfolgten der NS-Zeit lebendig gehalten. Die Erinnerung ist nicht nur auf jüdische Opfer begrenzt, sondern ist auch für alle Opfer des NS-Regimes, wie z.B. Homosexuelle, Sozialdemokraten, Gewerkschafter, Geistigbehinderte, Sinti und Roma gedacht.

Insgesamt konnten für 13 Riegelsberger Männer, Frauen und Kinder Stolpersteine aus den Familien Salomon, Salmon, Neumark, Gross und Albert verlegt werden.

Eindrucksvoll war auch, dass Schülerinnen und Schüler der Leonardi da Vinci Gemeinschaftsschule vor Ort das Schicksal der betroffenen Familien vorgetragen haben. Und dass sie im Rahmen des Unterrichts diese schrecklichen Ereignisse weiterhin erkunden.

Junge Generation stärken

Die Stolpersteine sind aktuell. Denn sie sind eine Verpflichtung an uns alle, stets für die Menschenwürde und die Rechte von Minderheiten einzutreten. Stets dafür einzutreten, dass so etwas nie mehr passiert. Und hierzu müssen wir uns erinnern. Stolpern wir über die kleinen Steine, die uns in den Weg gelegt wurden, um uns zu erinnern.

Die Geschehnisse in Erinnerung zu rufen ist richtig. Denn 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wird die Zahl derer, die die Gräuel des Naziregimes noch selbst erleben mussten, immer kleiner. Zeitzeugen werden seltener. Unsere Kinder erfahren von damals nur aus den Medien, weil selbst ihre Großeltern den Krieg nicht mehr selbst erleben mussten. Wir müssen die Lehren aus unserer Geschichte wach halten. Denn was damals geschah darf nie wieder geschehen.

Der jüngeren Generation gegenüber sollten wir nicht mit dem erhobenen Zeigefinger gegenübertreten. Wir müssen sie stärken und aufklären. Damit sie nicht den Parolen und Anwerbungen rechter Populisten und Menschenfängern erliegen.

Dank an das Aktionsbündnis,  insbesondere Monika Jungfleisch und Volker Junge

Dass diese Gedenkfeier stattfinden konnte ist der Verdienst des Aktionsbündnisses Stolpersteine Riegelsberg. Mit großem Engagement und Fachverstand hat es die Opfer der NS-Schreckensherrschaft in Erinnerung gerufen, ihnen ein Gesicht und einen Namen gegeben.

Daher gilt mein Dank stellvertretend Herrn Volker Junge, dem Sprecher des Aktionsbündnisses und  insbesondere Monika Jungfleisch. Sie hat seit über einem Jahr für das Projekt „Stolpersteine für Riegelsberg“ Zeitzeugen interviewt und Akten und Archive in Saarbrücken, Koblenz, Berlin und Yad Vashem (Israel) nach Schicksalen Riegelsberger NS-Opfer durchsucht. Dies ist eine verdienstvolle Arbeit. Sie reicht der Gemeinde Riegelsberg zur Ehre.

Das Aktionsbündnis erinnert damit auch an die dunkle Seite der Riegelsberger Geschichte an die vertriebenen und deportierten jüdischen Mitbürger. Aber auch daran, dass es neben diesem menschenverachtenden Verhalten von Riegelsbergern auch couragierte Bürger gab, die jüdische Nachbarn geschützt, versteckt und damit vor ihrer Deportation gerettet haben. Durch die Beteiligung der jüdischen Gemeinde des Saarlandes und die große Anteilnahme der Riegelsberger Bürgerinnen und Bürger war es eine  bewegende und beeindruckende Feier. Und auch ein Zeugnis dafür, dass die Riegelsberger Bürgerinnen und Bürger sich der Verantwortung, die wir alle haben, sehr bewusst sind.

Klaus Häusle,
Bürgermeister

Anmerkung: Dieser Text erschien am 29. April 2015 im WOCHENSPIEGEL (Nummer 18).