Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich sehr, Sie alle hier im Namen des „Aktionsbündnisses Stolpersteine für Riegelsberg“ begrüßen zu können. Ich danke unserem Bürgermeister, Herrn Häusle, der unsere Aktionen seit Anbeginn beherzt unterstützt. Ganz besonders freue ich mich natürlich, dass die Schülerinnen und Schüler der Klasse 7 der Leonardo-da-Vinci-Schule anwesend sind. Ich begrüße Euch herzlich mit Euren Angehörigen, euren Schulleiter Herr Engel und euren Lehrerinnen Frau Dr. Conrad und Frau Späder.

Die engagieren sich nämlich schon länger dafür, dass wir die im Nazi-Staat verfolgten Riegelsberger Juden nicht vergessen.

Sie helfen mit, dass wir das unmenschliche und rassistische Verhalten in der Vergangenheit nicht vergessen und für die Zukunft daraus lernen.

Meine Frau, Monika Jungfleisch, hat die Schicksale der Riegelsberger Juden vor der eigenen Haustür aufgearbeitet. Vor einem Jahr konnten in Zusammenarbeit mit Eurer Schule die ersten „Stolpersteine“  verlegt werden zum Gedenken an die jüdischen Mitbürger, die zwischen 1933 bis 1945 in Riegelsberg gedemütigt, vertrieben, ermordet aber auch gerettet wurden.

Aus der Zusammenarbeit mit der Gemeinschaftsschule entwickelte Monika Jungfleisch die Idee, dass die Schüler sich nach der geschichtlichen Erforschung auch künstlerisch mit der eigenen Geschichte auseinandersetzen. Für dieses Kunstprojekt konnte sie auch den künstlerischen Beirat der Gemeinde Riegelsberg gewinnen. Als Grundlage des gemeinschaftlichen kreativen Prozesses dienten die von der Kunstlehrerin Ulla Roth vorgeschlagenen Fragen „Was hält uns zusammen, was reißt uns auseinander?“

In den vergangenen Monaten habt ihr Euch sowie der künstlerische Beirat in Abstimmung mit dem „Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg“ mit diesen Fragen beschäftigt. Die Ergebnisse werden nun heute in einer Gemeinschaftsausstellung vorgestellt.

Ihr aus der Klasse 7 setzt die Arbeit fort, die vor Euch Schülerinnen und Schüler eurer Schule bereits geleistet haben. Alles mit dem Ziel, ein humanes und friedliches Zusammenleben heute in unserer Gemeinde zu fördern. Das imponiert mir sehr!

Herzlich danken möchte ich den Mitgliedern des künstlerischen Beirates der Gemeinde Riegelsberg. Frau Künzel wird uns die Kunstwerke nachher vorstellen, darauf bin ich sehr gespannt.

Der Plakatentwurf von Frau Roth in der Einladung wurde von ihrer Kollegin Sabine Späder aufgegriffen und mit ihren Schülern, nämlich mit Euch, künstlerisch umgesetzt.

Das Plakat steht unter der Überschrift: „Was hält uns zusammen? Was reißt uns auseinander?“ Auf diese Fragen sind, wie auf Zähnen eines Reißverschlusses, Antworten gegeben: Wertschätzung, Menschlichkeit, Schutz und Achtung, das hält uns zusammen. Erniedrigung, Gewalt, Überheblichkeit und Verachtung, das reißt uns auseinander und bedroht unser Zusammenleben. Dies war schon in der Nazi-Zeit so, aber es ist auch heute noch so.

Leider ist es brandaktuell. 1938 wurden die Synagogen angezündet, heute werden Flüchtlingsunterkünfte angezündet. In der Nazi-Zeit wurde der Hass auf die Juden geschürt, heute wird Hass auf Flüchtlinge und Ausländer geschürt. Gott sei Dank nicht von der Mehrheit unserer Gesellschaft; aber trotzdem: eine Minderheit gefährdet das friedliche Zusammenleben. Pegida- Demonstranten und die neue Partei AfD machen Stimmung gegen Ausländer, Flüchtlinge und den Islam. Ihr überzogener Nationalismus macht sie blind für die Menschenrechte und anfällig für Fremdenfeindlichkeit. Dagegen müssen wir alle protestieren, damit das friedliche Zusammenleben in unserer Gemeinde Riegelsberg nicht zerstört wird. Wir müssen uns dagegen wehren, damit unsere Gesellschaft nicht durch Überheblichkeit, Boshaftigkeit und Gewalt auseinander-gerissen wird, so wie es auf dem Plakat in der Einladung angesprochen wird.

Angesichts der akuten Gefahren für unser Zusammenleben hat vorgestern Papst Franziskus gefragt: „Was ist mit Dir los, humanistisches Europa, Du Verfechterin der Menschenrechte, der Demokratie und der Freiheit? Was ist mit Dir los?“

Er sieht uns in der Gefahr, die Rechte der Menschen zu vernachlässigen, und darum hat er uns alle aufgefordert, wieder zurückzukehren zu den Idealen Europas, nämlich zur Humanität auch gegenüber Flüchtlingen und Fremden.

In Artikel 1 des deutschen GG ist das Ideal Europas präzise in Worte gefasst: „Die Würde des Menschen ist unantastbar, sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“. Dass gegen die unantastbare Würde eines jeden Menschen, auch des Flüchtlings und des Fremden, nicht weiterhin verstoßen wird, dazu leisten wir heute Abend vielfältige Beiträge.

Und dafür bin ich sehr dankbar, sowohl gegenüber Euch, den Schülerinnen und Schülern, und den Lehrerinnen der Leonardo-Da-Vinci-Schule als auch gegenüber den Riegelsberger Künstlerinnen und Künstlern.

Wir können aus den Fehlern der Vergangenheit durchaus lernen. Wir können im Rahmen unserer Möglichkeiten durchaus etwas dafür tun, das unser Zusammenleben hier in Riegelsberg gelingt. Lassen Sie sich heute Abend dazu anregen!

 

Volker Junge,

Pfarrer i.R.,

Sprecher des „Aktionsbündnisses Stolpersteine für Riegelsberg“