Unser Weg zu den Stolpersteinen“

Riegelsberg. In der Nacht vom 9. auf dem 10. November 1938 setzten organisierte Schlägertrupps des NS-Regimes 1.400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume in Brand und zerstörten tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe. Es ist die Nacht, in der tausende Juden misshandelt, verhaftet oder getötet wurden. Die sogenannte Reichspogromnacht, im Volksmund auch Reichskristallnacht genannt, markiert den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden seit 1933 zur systematischen Verfolgung, die knapp drei Jahre später in die Vernichtung von insgesamt 6 Mio. Juden mündete.

„Reichskristallnacht“ ist Anlass zur alljährlichen Putzaktion an den Stolpersteinen in Riegelsberg

Dieses Datum nimmt die Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule und das „Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg“ alljährlich zum Anlass, die in Riegelsberg verlegten Stolpersteine zu putzen.

Die Schule hat die Patenschaft für die Gedenksteine an die Opfer der Diktatur der Nationalsozialisten übernommen und beteiligte sich auch an der Verlegung der ersten Stolpersteine für die jüdischen Opfer am 20. April 2015 sowie an der 1. Putzaktion der Stolpersteine im vergangenen November.

Ausstellung zum „Schulprojekt Stolpersteine“

Im Vorfeld laden Schule, Aktionsbündnis und Bürgermeister Klaus Häusle am 10. November, 10 Uhr, alle interessierten Bürgerinnen und Bürger zur Eröffnung der Ausstellung „Unser Schulprojekt Stolpersteine“ in die Gemeinschaftsschule in der Lindenstr. 9 ein.

Die damalige Klasse 9b beschäftigte sich mit ihren Lehrerinnen Dr. Christine Conrad und Ulla Roth im Rahmen des Geschichtsunterrichts mit der Zeit des Nationalsozialismus, des 2. Weltkriegs und der Judenverfolgung. Auf Anregung des Aktionsbündnisses ließen sich die Schüler anregen, sich aktiv in die Vorbereitungen zur Verlegung der ersten Stolpersteine in Riegelsberg einzubringen. Zusätzlich gestalteten Schüler mit ihrer Kunstlehrerin Sabine Späder gemeinsam mit heimischen Künstlern auf Anregung des Aktionsbündnisses zum 71. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus am 8. Mai 1945 eine Ausstellung im Rathaus unter dem Motto „Was reißt uns auseinander – was hält uns zusammen“.

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Anlässlich des Jahrestages der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 putzen Schüler der Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule die Stolpersteine in Riegelsberg.  Foto: M. Jungfleisch.

„Ihren Weg zu den Stolpersteinen, ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit dem Thema haben die Schülerinnen und Schüler in Texten und Fotografien zusammengestellt. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Schicksale der jüdischen Familien, die die Historikerin Monika Jungfleisch recherchiert hat“, erklärt Schulleiter Günther Engel.

Im Rahmen der Ausstellungseröffnung wird Volker Junge, Sprecher des „Aktionsbündnisses Stolpersteine“ die Ziele des Bündnisses und ihre aktuelle Bedeutung im Zuge von aufkeimendem Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus ins Bewußtsein rufen.

Die Initiatorin des Aktionsbündnisses, Monika Jungfleisch, wird die neuesten Rechercheergebnisse zu den politischen Opfern des NS-Zeit skizzieren, für die im kommenden Jahr weitere Stolpersteine in Riegelsberg verlegt werden sollen.

Putzen der Stolpersteine ab 11 Uhr Talstraße/Ecke Saarbrücker Straße.

Im Anschluss werden die Schüler der derzeitigen 9er Klasse von Lehrerin Anja Hahn zu den Stolpersteinen in der Tal-, Kirch- und Invalidenstraße gehen und die Gedenksteine putzen. Treffpunkt: 11 Uhr Talstraße/Ecke Saarbrücker Straße.

„Wir freuen uns, wenn Eltern, interessierte Bürgerinnen und Bürger unsere Ausstellung besuchen und unsere Schüler auf ihrem Weg zum Reinigen der Stolpersteine begleiten“, erklärt Schulleiter Engel.

Verfasst von Monika Jungfleisch (Journalistin)

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