Gegen Ausgrenzung von Fremden, für ein friedliches Zusammenleben in unserer Gemeinde.

Riegelsberg. Sich gegen Rassismus zu engagieren, ist nicht immer leicht. Umso mehr freute sich Günter Engel, Leiter der Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule in Riegelsberg, dass sich Schüler seiner Schule seit drei Jahren aktiv in dem „Schulprojekt Stolpersteine“ mit der Vergangenheit vor der eigenen Haustür beschäftigen. Initiiert wurde das Schulprojekt vom „Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg“.

Zur Ausstellungseröffnung „Schulprojekt Stolpersteine“ begrüßte Schulleiter Günter Engel neben Schülern und Lehrern der Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule auch Bürgermeister Klaus Häusle, Ortsvorsteher Heiko Walter, Vertreter des „Aktionsbündnisses Stolpersteine“ und interessierte Bürger.
Foto: M. Jungfleisch.

„Seit seiner Gründung vor drei Jahren binden wir gezielt Riegelsberger Schüler in die Aufarbeitung der Schicksale von Opfern der Hitler-Diktatur ein“, erklärt der evangelische Pfarrer Volker Junge, Sprecher des Aktionsbündnisses. Die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit haben die Schüler unter Leitung ihrer Lehrerin Dr. Christine Conrad in Form einer Dauerausstellung im Foyer-Bereich der Gemeinschaftsschule am vergangenen Donnerstag eröffnet.

Die Historikerin Monika Jungfleisch (r.) hat die Schicksale der jüdischen Opfer recherchiert, Dr. Christine Conrad hat die Ausstellung mit den Schülern konzipiert.
Foto: Wolfgang Edlinger.

Anlass hierfür war der 79. Jahrestag der sogenannten Reichspogromnacht, in der vom 9. auf den 10. November 1938 Schlägertrupps des NS-Regimes Synagogen in Brand setzten, jüdische Geschäfte plünderten und Juden misshandelten.

Die Ausstellung zeigt die von der Riegelsberger Historikerin Monika Jungfleisch recherchierten Fotos und Schicksale der jüdischen Mitbürger, die nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zum einen verfolgt, in Konzentrationslager gesteckt und schließlich sogar ermordet wurden und zum anderen auch von mutigen Riegelsbergern beschützt und sogar versteckt wurden. Abgerundet wird die Ausstellung durch das Kunstprojekt unter Leitung von Kunstlehrerin Sabine Späder, das die Schüler im Rahmen einer Gemeinschaftsausstellung mit heimischen Künstlern auf Initiative des „Aktionsbündnisses Stolpersteine“ erarbeitet haben.

Zur Eröffnung der Dauer-Ausstellung „Schulprojekt Stolpersteine“ lobten Ortsvorsteher Heiko Walter, Bürgermeister Klaus Häusle, Schulleiter Günter Engel, Lehrerin Dr. Christine Conrad, Monika Jungfeisch und Volker Junge vom „Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg“ das Engagement der Schüler im Kampf gegen Rassismus.
Foto: Wolfgang Edlinger.

Volker Junge würdigte die informative Ausstellung und schlug den Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart. „Warum ist es heute immer noch so wichtig, sich an dieses dunkle Kapitel unserer Geschichte zu erinnern? Weil Fremdenhass, Diskriminierung und Gewalt in Deutschland wieder lebendig und an der Tagesordnung sind. Das unmenschliche Verhalten der Nazis begann mit Worten. Nach den bösen Worten kamen die bösen Taten. Damals brannten die Synagogen, heute brennen die Flüchtlingsheime. Ihr seht, es beginnt mit bösen Worten, und es mündet in böse Taten. So war es im Dritten Reich, so ist es heutzutage leider wieder.“

Volker Junge, Sprecher des „Aktionsbündnisses Stolpersteine“, dankte den Schülern für ihr Engagement gegen Ausgrenzung, gegen Verfolgung von Minderheiten, und stattdessen für ein friedliches, tolerantes Zusammenleben in unserer Gemeinde.
Foto: M. Jungfleisch.

Bürgermeister Klaus Häusle griff diese Gedanken auf und sagte: „Die Migrationsbewegungen werden zunehmen, darauf müssen wir Antworten finden, eine dazu gebt ihr, indem ihr euch dafür einsetzt, dass Hass auf Fremde und Andersgläubige nicht stattfinden darf.“ Dass das „Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg“ weitere Schicksale recherchiert und die Erinnerung an die Opfer der NS-Zeit wachhalten wird, lobt Häusle. „Schön, dass dieses Engagement weitergeht.“

Bürgermeister Klaus Häusle freute sich, dass die Schüler weiterhin mit dem „Aktionsbündnis Stolpersteine“ die Erinnerung an die Opfer der NS-Diktatur wachhalten wollen.
Foto: M. Jungfleisch.

„Hierfür wollen wir wieder auf die Mithilfe der Schüler setzen“, sagte Monika Jungfleisch, die die neuen Pläne des Aktionsbündnisses vorstellte. „Nach den jüdischen Opfern wollen wir uns nun den politisch Verfolgten des NS-Regimes widmen. 13 Namen von Sozialdemokraten und Kommunisten konnten wir mittlerweile in Erfahrung bringen. Einer von ihnen, Fritz Klein aus Hilschbach, wurde 1944 wegen Hochverrats in Bruchsal hingerichtet. Die Mehrzahl der politisch verfolgten Riegelsberger Bürger verlor wegen ihres Widerstandes gegen die NS-Diktatur  ihren Arbeitsplatz und fristete als Hilfsarbeiter ein kärgliches Leben. Nach der Befreiung Deutschlands von den Nazis mussten sie viele Jahre um eine Entschädigung kämpfen.Für sie wollen wir im kommenden Jahr weitere Stolpersteine in Riegelsberg verlegen.“

Schüler der Klassenstufe 6 gestalteten die Ausstellungseröffnung unter Anleitung von Musiklehrer Bruno Rabung. Foto: M. Jungfleisch.

Verfasst von Monika Jungfleisch (Journalistin)

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