Liebe Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule, meine Damen und Herren,

ich grüße Sie alle herzlich im Namen des Aktionsbündnisses Stolpersteine für Riegelsberg. Ganz besonders danke ich den Lehrerinnen und Schülern für die beeindruckende Ausstellung und die bisher geleistete Arbeit in Eurer Schule. Ich finde Euer Engagement toll und vorbildlich.

Es gibt den guten Brauch, zu Allerheiligen die Gräber der Verstorbenen zu besuchen. Ich weiß nicht, ob ihr das in Euren Familien auch tut, um Eure toten Angehörigen nicht zu vergessen, und um sie durch Euren Gang zum Friedhof zu würdigen.

Ganz ähnlich verhält es sich mit den Stolpersteinen, die auf Bürgersteigen in Riegelsberg verlegt wurden. Sie erinnern an die Riegelsberger, die als Juden in der Nazi-Diktatur verfolgt, vertrieben und ermordet wurden. Ihr werdet diese Stolpersteine heute putzen. Und dafür sage ich Euch jetzt schon herzlichen Dank.

Mit dieser Putzaktion wollen wir darauf aufmerksam machen, dass wir in Riegelsberg aus der Vergangenheit lernen wollen, nie mehr Menschen zu verachten, zu verfolgen oder gar zu ermorden.

Ist diese Erinnerung heute überflüssig geworden?

Wer in die Zeitung schaut, Nachrichten hört, Tagesschau sieht, der merkt: Fremdenhass, Diskriminierung und Gewalt sind in Deutschland wieder lebendig und an der Tagesordnung. Das ist ein aktuelles Problem für uns alle.

Wisst ihr, womit in der Nazi-Zeit das unmenschliche Verhalten begann? Mit Worten! Leute schrieen: „Juden raus“, „Juden sind Schädlinge“, „Juda verrecke“. Zuerst also diskriminierte man Mitbürger mit Worten. Nach den bösen Worten kamen die bösen Taten. Man plünderte und zerstörte jüdische Geschäfte, man zündete am 9. November vor 79 Jahren jüdische Gotteshäuser an, trieb Juden durch die Straßen und dann ermordete man sie.

Heute erleben wir das wieder in ähnlicher Weise. Pegida-Anhänger schreien: „Ausländer raus“, „Flüchtlinge abschieben“, „Moslems weg aus Deutschland“.

Aber es bleibt nicht bei Worten, es folgen auch schlimme Taten: Flüchtlingsheime werden angezündet, Flüchtlinge werden von Neonazis durch die Straßen gejagt. Die Mitglieder des Nationalsozialistischen Untergrunds ermorden 10 Mitbürger, meist türkischer Abstammung.

Ihr seht, es beginnt mit bösen Worten, und es mündet in böse Taten. So war es im Dritten Reich, so ist es heutzutage leider wieder.

Dagegen setzt ihr mit Eurer Schule, mit dieser informativen Ausstellung und mit der Putzaktion der Stolpersteine in unserer Gemeinde Riegelsberg ein wichtiges Zeichen. Damit engagiert ihr Euch mit Euren Lehrerinnen gegen Ausgrenzung, gegen Diskriminierung, gegen Verfolgung von Minderheiten, und stattdessen für ein gutes Miteinander in Riegelsberg, für Respekt und Achtung voreinander und für ein friedliches, tolerantes Zusammenleben in unserer Gemeinde. Ich möchte Euch dafür von Herzen danken.

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