Das Schicksal jüdischer Mitbürger in Riegelsberg während der NS-Zeit

Das Schicksal jüdischer Mitbürger in Riegelsberg während der NS-Zeit

Obwohl das damalige Saargebiet von 1920 bis 1935 als Folge des Versailler Vertrages aus dem Deutschen Reich ausgegliedert war und als Mandatsgebiet dem Völkerbund unterstand, wurde auch die saarländische Bevölkerung zu Beginn der 1930er Jahre von einer Welle der Judenfeindlichkeit erfasst. Damals beherrschten die Weltwirtschaftskrise, hohe Arbeitslosigkeit, Inflation, nationalistische Euphorie und der Wunsch nach internationaler Anerkennung das Denken vieler Deutscher.

Bis zur Machtergreifung Hitlers 1933 lebten jüdische Mitbürger im Saargebiet in Harmonie mit ihren Nachbarn. Sie waren vielfach hochangesehene Kaufleute, Ärzte, Apotheker, Rechtsanwälte.

In Riegelsberg spielte die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) bis 1932 keine große Rolle, bei Landratswahlen 1932 stimmten gerade mal 3,3% der Wahlberechtigten für die Partei Adolf Hitlers, das waren 99 Männer und Frauen. Wenige Monate später bei den Kreistagswahlen waren es dann immerhin schon 6,99%.

Mit der Machtergreifung 1933 stieg die antijüdische Stimmung deutschlandweit an, auch im Saargebiet. Bereits im April 1933 – so berichten Historiker und mehrere Zeitzeugen – mussten jüdische Geschäftsleute in Riegelsberg erste Boykottmaßnahmen hinnehmen. Im Mai 1933 zeigte erstmals ein Riegelsberger Buchhändler antisemitische Druckschriften, an die Hauswand eines Geschäftes in der Kirchstraße wurde in einer Nacht- und Nebelaktion gepinselt: „Willst Du ein wahrer Deutscher sein, kaufe nicht bei Juden ein“.

Im Abstimmungskampf 1935 stimmten landesweit 90,7% für die Rückgliederung des Saargebietes an Nazi-Deutschland, in der Bürgermeisterei Sellerbach (damals vergleichbar mit dem heutigen Riegelsberg) waren es 93,34 %. Das Abstimmungsergebnis wurde vielerorts mit antijüdischen Ausschreitungen gefeiert. Ein Signal, das die meisten Juden des Saargebietes zur Flucht veranlasste.

Manche glaubten sich dennoch sicher, da der Völkerbund auf Initiative jüdischer Organisationen dem Deutschen Reich das Zugeständnis abgerungen hatte, den Rechtsstatus der Juden des Saargebietes bis zum 29. Februar 1936 unverändert zu lassen. Jüdischen Mitbürgern wurde zugesichert, dass sie unter Mitnahme ihrer Vermögenswerte ausreisen durften; eine scheinbare Sicherheit, denn viele jüdische Familien mussten ihren Besitz weit unter Wert veräußern.

Dank der Erinnerungen vieler Zeitzeugen konnten insgesamt fünf jüdische Familien in Riegelsberg ausfindig gemacht werden, die nach Hitlers Machtergreifung entweder ausreisten oder zuerst nach Püttlingen umzogen und dann nach Frankreich flohen, wo sieben in den letzten Kriegstagen in Konzentrationslager deportiert und ermordet wurden.

Verfasst von Monika Jungfleisch (Journalistin)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s