Familie Neumark

Familie Neumark emigrierte nach Luxemburg und von dort in die USA

Die im Ort hochangesehene Henriette Neumark geb. Alkan, geboren am 24.10.1856 in Dillingen, betrieb gemeinsam mit ihrem Ehemann in der Talstraße einen Nähmaschinen- und Textilhandel. Mit ihrem Ehemann Jakob Neumark, geboren am 05.05.1852 in Bosen und verstorben 1935 in Güchenbach, hatte sie vier Söhne, die alle in Güchenbach geboren wurden. Der älteste Sohn Isak Isidor, geboren im Mai 1881, verstarb schon als Säugling am 28.12.1881.

Der zweite Sohn hieß Eugen. Er wurde geboren am 03.04.1883. Nach seinem Studium der Tiermedizin und seiner Promotion arbeitete er zuletzt als Leiter des Städtischen Hauptgesundheitsamtes in Berlin-Schöneberg, bis er am 13. April 1933 durch den Berliner Oberbürgermeister von allen dienstlichen Aufgaben entbunden wurde und Hausverbot erhielt. Eugen besuchte daraufhin seine Familie in Güchenbach im Jahre 1935, wobei ihm die Ausreise ins benachbarte Ausland als „Reichsdeutscher“, der nicht unter die Sonderregelungen für saarländische Juden fiel, aber offenbar nicht gelungen ist. Er ist im Jahr 1937 in Berlin verstorben. Seiner Witwe Johanna geb. Frank und seiner Tochter Lieselotte gelang auf bisher unbekanntem Weg die Flucht in die USA. Lieselotte heiratete dort Max Doverman. Ihre heute noch im Raum New York lebenden Kinder und Enkel sind die einzigen Nachkommen von Jakob und Henriette Neumark aus Güchenbach. Johanna verstarb im September 1969 in New York.

Geschäft_Fam. Neumark in der TalstrasseDas Haus der jüdischen Familie von Jakob und Henriette Neumark an der Ecke Talstraße/Saarbrücker Straße. Die Fotografie zeigt die Nachbesitzer im Jahr 1942.
Copyright: Helmut Klein.

Der dritte Sohn Rudolf wurde am 26.03.1885 geboren. Er studierte Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten Berlin, Heidelberg, München und Bonn. Nach seiner Promotion am 27. Mai 1910 in Heidelberg arbeitete er als Gerichtsassessor und zuletzt als Amtsgerichtsrat (Amtsrichter) in Saarbrücken, bis auch er seinen Dienst quittieren musste.

Arthur, der jüngste Sohn, kam am 26.07.1887 zur Welt und absolvierte eine Ausbildung zum Kaufmann.

Abmeldebestätigung Fam. Neumark mit Ausreise nach Luxemburg am 08.09.1935_2Abmeldebestätigung der Familie Neumark vom 08.09.1935 (Ausreise nach Luxemburg)

Am 8. September 1935 emigrierte Henriette Neumark mit ihren beiden Söhnen Rudolf und Arthur ins vermeintlich sichere Luxemburg. Gründe für ihre Emigration mögen die persönlichen Erfahrungen von Eugen in Berlin und Rudolf in Saarbrücken sowie Erlebnisse ihrer Neffen aus Püttlingen mit der nationalsozialistischen Gesetzgebung gewesen sein (siehe hier). Ihr Haus hatte Henriette Neumark an den Riegelsberger Fuhrunternehmer Eduard May sen. verkauft. Zeitzeugen erzählen, dass einer ihrer Söhne nach dem Krieg nach Riegelsberg zurückgekommen sei und sich mit Eduard May sen. getroffen habe. Der Fuhrunternehmer habe – so erzählt man – dem Sohn daraufhin einen Ausgleich dafür gezahlt, dass er 1935 das Anwesen wohl allzu günstig erworben hatte. Falls diese Geschichte zutrifft, ist sie ein erfreuliches Beispiel für den Umgang mit Juden in Riegelsberg nach dem Holocaust.

Gewerbeabmeldung Neumark_30.09.1935_1Gewerbeabmeldung Jakob Neumark vom 30.09.1935

In Luxemburg wohnten Henriette und ihre beiden Söhne zuletzt in der Glacis-Straße 45, unmittelbar am Rande des israelitischen Friedhofes. Henriette Neumark verstarb rund ein Jahr nach ihrer Emigration am 01. Oktober 1936 nach „kurzem Leiden im Alter von fast 80 Jahren“ in Luxemburg.

Arthur gab am 26. Juli 1937 im „Luxemburger Wort“, der dortigen Tageszeitung, seine Vermählung mit Ida geb. Altmann, verw. Adler, geboren am 30.03.1898 in Wertheim am Main, bekannt. Die folgenden Jahre verbrachten die Brüder Arthur und Rudolf in Luxemburg. Am 10. Mai 1940 fiel die Deutsche Wehrmacht in Luxemburg ein und besetzte das Land innerhalb eines Tages. Nach Ende der Militärverwaltung setzte allmählich ab Anfang August unter Gauleiter Gustav Simon der nationalsozialistische Terror in Luxemburg ein. Es gelang Rudolf, Arthur und dessen Ehefrau Ida Visa zu erhalten für die Einreise nach Portugal, dem einzigen Land, dessen Häfen für eine Weiterreise nach Übersee noch offen waren. Mit den ersten Transporten am 8. oder 14. August 1940 verließen die drei Luxemburg, um die weite Reise durch das zu dieser Zeit schon von der Wehrmacht besetzte Frankreich und Spanien nach Lissabon und von dort über Kuba in die USA anzutreten.

Todesanzeigen von Arthur (10.03.1950) und Rudolf Neumark (25.10.1963) in der deutsch-jüdischen Zeitung „Aufbau“

Arthur Neumark verstarb am 01.03.1950, seine Frau Ida am 16.02.1984, Dr. Rudolf Neumark am 18.10.1963, alle in New York.

Verfasst von Monika Jungfleisch (Journalistin)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s